Soll ich mich vor meinen Eltern outen?

OutingVom “Mama, ich habe einen Freund” übers “Mama, ich bin schwul/lesbisch” bis zum “Mama, ich stehe auf BDSM” – sich zu outen ist oft schwer und zieht lange Diskussionen nach sich. Wann ist es sinnvoll, sich zu outen und wie stellt man das am besten an?

1. Sollten es andere Menschen wissen?

Wäge ab, ob es wirklich wichtig ist, dass deine Eltern über etwas Bescheid wissen. Interessieren sie sich generell für dein Sexleben und sind offen? Dann sehen sie es sicher als Zeichen des Vertrauens, wenn du ihnen etwas anvertraust. Sind sie stockkonservativ und würden dich wahrscheinlich für das, was du tust, aus dem Haus werfen? Dann ist ein Outing eher keine gute Idee.

Wenn du festgestellt hast, dass du Personen des gleichen Geschlechts liebst, wäre es nur fair deinem Freund oder deiner Freundin gegenüber, es deinen Eltern zu erzählen. Niemand wird gern geheim gehalten und hat das Gefühl, dass man sich für ihn schämt. Wenn deine Eltern deine Homosexualität aber überhaupt nicht akzeptieren würden, redet am besten beide darüber. Ist es für ihn/sie in Ordnung, wenn ihr euch als normale Freunde vorstellt? Hat das eventuell mehr Vorteile? Ich denke, dass hier wirklich der Weg des geringsten Widerstands gegangen werden sollte. Man muss sich nicht unnötig Probleme aufladen.

Wer sich als BDSMler outen möchte, sollte sich dies genau überlegen. Ich habe schon von vielen gehört, deren Eltern sie für krank und pervers hielten und kein Wort mehr mit ihnen wechselten. Es stellt sich immer die Frage, wie viel die eigenen sexuellen Neigungen die Eltern angehen. In einem BDSM-Jugendforum wird oft der Vergleich gezogen, dass man den Eltern schließlich auch nicht erzählt, dass man auf Doggy-Style steht. Im Prinzip ist das auch so, aber wenn du eigentlich ein sehr gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast und BDSM ein wichtiger Teil deines Lebens ist, solltest du darüber nachdenken, ob du dich nicht doch outen willst. Das ist immer noch besser, als wenn sie irgendwann eindeutige Gerätschaften oder Spuren bei dir entdecken.

2. Gehe vorsichtig, aber bestimmt vor

Vielleicht schreibst du dir sogar vorher einen Text? Vermeide Unklarheiten und Drumherumgerede: Lieber einen kritischen Blick riskieren als hinterher die völlig entsetzten Eltern beruhigen müssen, nachdem ihnen nur erzählt wurde, dass euer Sex “etwas anders” ist. Sag auf keinen Fall, dass viele so seien wie du. Das interessiert deine Eltern überhaupt nicht. Du bist ihnen wichtig, um dich machen sie sich Sorgen. Und damit sind wir schon beim Punkt. Die meisten Eltern machen sich einfach sehr viele Sorgen um ihre Kinder. Ob ihre Kleinen auch gut angenommen werden, ob ihnen auch niemand weh tut… Klärt, insbesondere wenn du dich als BDSMler outen willst, deine Eltern – vielleicht sogar schon im Vorfeld? – auf, dass das nichts Furchtbares ist.

Versuche, möglichst sachlich und auf jeden Fall ruhig zu bleiben. Du lebst dein Leben und sie dürfen dir das nicht verbieten, aber es wäre nett, wenn sie versuchen könnten, deine Beweggründe zu verstehen, anstatt dass sie einfach die Fakten vorgesetzt bekommen, am schlimmsten noch in einem trotzigem Tonfall.

3. Denke darüber nach, wie viel du deinen Eltern zumuten willst

Müssen sie wirklich die Spielzeugsammlung sehen? Musst du deine Freundin wirklich vor ihren Augen stürmisch küssen? Halte dich vor allem am Anfang lieber etwas bedeckt, auch wenn es dir vielleicht nicht zusagt. Deine Eltern sind in einer anderen Zeit aufgewachsen als du. Es ist nicht immer leicht für sie, zu akzeptieren, dass ihr Kind kein Durchschnittsbürger ist.

Ich hoffe, dir hiermit ein wenig geholfen zu haben. Wenn du  Fragen hast, steh ich dir gerne zur Verfügung und versuche zu helfen.

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