Offene Partnerschaft: Wie kann ich eine offene Beziehung anfangen?

Offene Beziehung anfangenSeit ich meinen Text „Offene Beziehungen führen“ geschrieben habe, bekomme ich ab und an Anfragen, wie man eine solche offene Beziehung denn überhaupt startet. Wenn man eine offene Beziehung starten will, ist es hilfreich, erstmal zu wissen, dass unter diesem Begriff mehrere grundlegend verschiedene Konzepte zusammengefasst sind.

Viele lesen erstmal Enigmas „Lob des Sexismus“ und ihre Vorstellungen von offenen Beziehungen basieren meist auf den zudem noch falsch verstandenen Grundeinstellungen, die in diesem Buch zu lesen sind. Diese Grundeinstellungen und insbesondere die falsch verstandenen Grundeinstellungen vertrete ich nicht, aber trotzdem werde ich sie hier kurz anschneiden.

Viele Leute, die also zu mir kommen, fragen im Grunde genommen den Falschen, weil ihnen eigentlich eher ein „Königinnen Prinzip“ vorschwebt und sie selbst das nicht richtig verstanden haben. Das, was ich unter offener Beziehungen verstehe, ist etwas ganz anderes, genannt Polyamorie, ein Kunstwort… klingt leider auch gekünstelt, leider gibt es kein besser zutreffendes, was umgangssprachlich bereits existieren würde.

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Wenn man also eine offene Beziehung will, muss man erstmal überlegen, was man eigentlich genau will und was man hat. Ach ja, ein kleiner Disclaimer noch: Ich werde hier davon ausgehen, dass du alle Rechte, die du dir selbst zugestehst, auch deinem Partner zugestehst. Sollte das nicht der Fall sein und du lernen willst, wie man Harems hält, geh bitte zu diversen Religionsvertretern oder meinetwegen anderen PU-Forums-Mitgliedern, falls du denn welche findest. Ich verabscheue diese Art der Doppelmoral besonders und werde dazu auch keinerlei Tipps geben.

Es sei außerdem erwähnt das der größte Teil mit männlichen Beispielen geschrieben ist. Wenn du also weiblich sein solltest denk dich einfach die entsprechenden Geschlechtsbezeichnungen um, mir ist es zu umständlich überall von
PartnerInnen zu reden.

Was man hat

Es ist wichtig, zu wissen, auf welchem Stand man aktuell ist, um von dort aus weitergehen zu können. Jeder Mensch ist ein klein wenig anders und deswegen hat jeder auch eine andere Startposition und meist sogar ein anderes Ziel. Deswegen gleich vorneweg: Das, was ich hier schreibe, sind dem Titel entsprechend Leitfäden von mir! Ich persönlich bin davon überzeugt und halte sie für richtig und vertrete sie mit Herz und Verstand, aber deswegen ist das noch lange keine Gebrauchsanweisung von Gott.

Keine Beziehung

Ja, es gibt tatsächlich Leute, die eine offene Beziehung haben wollen, wenn sie gerade überhaupt nichts haben. Ganz ehrlich Leute, ich finde es toll, wenn man sich hohe Ziele steckt, aber bitte eins nach dem anderen! Für solche Sachen gibt es echt andere Spezialisten. Der einzige Grund, sich im PU-Forum in dieser Phase Rat zum Thema offene Beziehungen zu holen ist, wenn man bereits zahlreiche Beziehungen hinter sich hat und keine Lust mehr hat, bei 0 anzufangen. In diesem Fall würde ich dir raten, den gesamten Abschnitt ab „Was man will und wie man hinkommt“ sehr gründlich zu lesen, auch in Erwägung zu ziehen, dass ich etwas vergessen habe, das noch eindeutiger deinen Wünschen entspricht und wenn du dir darüber im klaren bist, was du willst: Übe dich in Ehrlichkeit. Du darfst keine Probleme haben Beziehungen zu starten oder in diese hinein zu geraten, nur dass du ab jetzt, ab heute (ja jetzt sofort!) deinen potenziellen Beziehungen sagst, was du willst und was deine Idealvorstellung ist. Ja, auch wenn das bedeutet, dass sie sich von dir abwendet. Steht dazu, denn wahrscheinlich ist das der Grund, warum du bisher keine Beziehung hattest, die nach deinen Vorstellungen verlief.

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Wenn du Probleme haben solltest regelmäßig Frauen zu finden oder du glaubst mit dieser Einstellung überhaupt keinen Sex mehr zu bekommen -> Grundlagen üben! Falsche Vorstellungen abbauen, verführen lernen, Selbstvertrauen erarbeiten und dann das Thema angehen. Mehr hab ich dir leider nicht zu sagen, denn dazu wurde von viel fähigeren Leuten als mir schon sehr viel gesagt.

Sexfreundschaft

Du hast exakt eine Sexfreundschaft und willst daraus eine offene Beziehung machen. Hier zuallererst die Warnung, dass eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass du dich da in was hinein gesteigert hast. Oft versucht man, wenn man von einem Menschen nicht die Nähe bekommt, die man haben will, auf Kompromisslösungen einzugehen, sprich nicht wie eigentlich geplant, eine monogame Beziehung sondern eine offene Beziehung anzupeilen. Ich bin kein Vertreter der Meinung, man dürfte sich nicht an andere Menschen anpassen. Ich denke sogar, dass aus falschen Gründen etwas Richtiges und Wunderbares entstehen kann, sprich dieser Weg tatsächlich der beste für dich ist, obwohl du ihn eigentlich als Antwort auf ein ganz anderes Problem von dir gewählt hast. Glückstreffer nennt man so was, aber man sollte sich darüber im klaren sein, dass ein solcher Anfang früher oder später schwerwiegende Nachbearbeitung erfordert. Überleg dir also: Will ich tatsächlich eine offene Beziehung mit dieser Sexfreundschaft? Ist es Zufall, dass ich exakt eine Sexfreundschaft habe, obwohl wir uns per Definition nur unverbindlich treffen? Will ich vielleicht nur eine offene Beziehung, weil ich glaube, ihr würde das gefallen, oder weil ich glaube, ich muss als Mann Treue für armselig halten?

Ich will dich eigentlich nicht davon abhalten in dieses Abenteuer hinein geschubst zu werden, auch wenn es eigentlich nicht das ist, was du willst. Ich bin, wie gesagt, davon überzeugt, dass es die größte persönliche Entwicklung bedeutet, aber der Fairness halber muss ich es eben sagen: Wenn du zu dem Schluss kommst, dass du eigentlich gar keine offene Beziehung, sondern eigentlich eine monogame Beziehung mit deiner Sexfreundschaft willst, dann geh diesen Weg. Aber meine Meinung dazu, um es mal mit ‚Dr. House‚ Worten zu sagen: „Sie hat Krebs. Sie wird sterben. Langweilig.“

Wie auch immer es aussieht, dein Weg zur offenen Beziehung besteht mit Ausnahme des Ziels unverbindlicher Mehrfachbeziehungen aus zwei Schritten. Erstens, die Fuckbuddy Definition abschütteln und zweitens die Beziehung als offene definieren. Von dieser Ausgangsposition ist es zum Glück relativ einfach, beides auf einmal zu machen. Trotzdem solltest du dir bewusst sein, dass du im Grunde ZWEI große Veränderungen in deiner Beziehung angehst. Als erstes, solltest du dich von dem Gedanken verabschieden, dass du keine „Beziehung“ hast, mit Leuten, mit denen du regelmäßig Sex hast. Meiner Meinung nach ist das Schwachsinn, hat man über einen längerem Zeitraum regelmäßig Sex mit jemanden, noch dazu nur mit diesem jemand, ergibt sich daraus zwangsläufig eine gewisse Nähe und Vertrautheit, die sich zur „Beziehung“ nur noch in der aktiv verbalen Aussprache unterscheidet. Eventuell geht diese „Beziehung“ nicht mit der für dieses Wort typischen sofortigen Verknalltheit und Gefühlen der Liebe einher, dennoch besteht zweifelsohne eine Beziehung. Daher auch meine Abneigung gegen das Wort Fuckbuddy und die Ersetzung durch das mehr zutreffende Wort Sexfreundschaft.

Ich würde also versuchen, mit der Sexfreundschaft zu reden und ihr diese Begriffsverwirrung klar machen die ohnehin hauptsächlich dazu dient eben keine Gefühle zuzulassen selbst wenn welche entstehen. Neben der Tatsache, dass du dir also auch offiziell mehr Nähe wünscht, würde ich gleichzeitig betonen, dass du die – wenn auch nicht genutzte – Freiheit, die du bisher hattest, sehr schätzt und diese wegen der neuen schönen Situation (Gefühle) nicht aufgeben willst. Auf jeden Fall dazu sagen, dass du u. a. gerade WEGEN dieser Freiheit überhaupt erst in der Lage warst, solche Gefühle aufzubauen. Wenn du halbwegs gesund bist, stimmt das auch, wenn nicht -> siehe Warnung oben / sich in was rein steigern.

Der Weg hier zu einer offenen Beziehung mit einer Hauptbeziehung gestaltet sich meiner Meinung nach relativ einfach mit einem solchem klärendem Gespräch, vorausgesetzt natürlich, dass auch deine Sexfreundschaft zumindest im Ansatz Verknalltheit oder Liebe für dich empfindet. Ist dies der Fall wird es recht einfach sein, da sie relativ dankbar sein wird, dass sie jetzt ihr Empfinden mit ihrem Denken in Einklang bringen kann und einen ähnlichen Schritt ohnehin vorhatte. Wenn allerdings keine Verknalltheit oder Liebe von ihrer Seite bestehen sollte, (was übrigens trotzdem nicht heißt das ihr keine Beziehung habt ^^) spricht das wiederrum eher für eine Oneitis deinerseits. Sobald diese Hürde überwunden ist, kannst du dich wieder mit der Führung dieser Beziehung beschäftigen – hier soll es ja nur um das Starten gehen.

Monogame Beziehung

Du hast exakt eine monogame Beziehung, die bisher auf emotionaler und sexueller Exklusivität beruht hat. Der bei weitem am häufigstem vorkommende Fall. Immer wieder werde ich von Leuten, die eine Freundin haben, gefragt, wie sie denn nun mit dieser eine offene Beziehung starten können. Meistens frage ich hier erstmal, was sie sich denn darunter vorstellen und meistens bekomme ich darauf völlig verwundert eine relativ klare Antwort, wobei sich jede Antwort komplett von der anderen unterscheidet.

Um es ein für alle mal klar zu machen: Eine offene Beziehung ist nicht gleich offene Beziehung. Es gibt da ganz viele verschiedene Möglichkeiten und Regeln, die unter diesem Begriff zusammengefasst sind, gerade weil hier die soziale Norm zu diesem Thema fehlt. Die Unkenntnis dieser Tatsache kann unter anderem zu Missverständnissen führen, daher ist es ratsam, zumindest ansatzweise zu wissen, was man eigentlich will. Also den Teil ab „Was man will und wie man hinkommt“ aufmerksam lesen! Aber dein Hauptproblem ist vermutlich eines: Du hast es nicht angesprochen. Und genau das ist die unangenehme Wahrheit, der du dich stellen musst. Wenn du wirklich eine offene Beziehung haben willst, musst du früher oder später ausdrücken, DASS du das willst. Das muss nicht unbedingt verbal und mit direkter Totalkonfrontation sein, aber auf jeden Fall muss es irgendwie zum Ausdruck kommen, dass du das gerne hättest und dass es nicht nur eine Spinnerei ist. Und du darfst dich auch nicht sofort klein reden lassen, wenn sie nicht sofort hell auf begeistert ist und dir erstmal Pauschalsätze sagt wie, dass sie so was „nie im Leben kann“. So was zeigt die Zeit, nicht das Gelaber.

Außerdem solltest du dich fragen, warum du eine offene Beziehung willst. Hast du das jetzt auf einmal beschlossen, wo die Beziehung langweilig geworden ist? Hattest du den Wunsch schon vorher und hast ihn aus Liebe zurückgestellt? Ist dein Beziehungsanfang etwa 3 Jahre her und die Triebe melden sich mit ungeahnter Wucht? All das macht etwas aus, sowohl für dein Ziel, als auch für die Art, wie du deine Ziele deinem Partner gegenüber ansprichst. Denn wenn es bei dir so ist, wie bei den Meisten, dann liebst du diene Freundin immer noch und willst gleichzeitig Frischfleisch. Ihr irgendwas vor zu lügen, von wegen Regenbogen der Beziehungsmöglichkeiten etc., hat überhaupt keinen Sinn. Seid ehrlich in deinen Bedürfnissen und Wünschen! Stell dich den daraus entstehenden Problemen, denn alles andere wird zu unterschwelligen Konflikten führen, die dafür sorgen, dass du an dem Konzept, das du anstrebst, scheiterst. Was genau du da sagen solltet, werde ich weiter unten nochmal näher erläutern, denn auch dein Ziel entscheidet darüber, welche Kommunikationsform am angebrachtesten ist.

Die meisten Menschen fürchten diesen Schritt der Ehrlichkeit mehr als alles andere, denn er bedeutet etwas zu riskieren. Man riskiert sowohl die Trennung, als auch viel schlimmer noch seine Eier auf einem Silbertablett zu servieren und das Herz raus gerissen zu bekommen. Offene Beziehungen sind kein Zuckerschlecken, das ist kein: „Jetzt kann ich endlich alles ficken was ich will und hab keine Probleme mehr.“ Im Gegenteil, eine offene Beziehung bedeutet mindestens das erste halbe Jahr und aller Wahrscheinlichkeit nach bis zu zwei Jahre einiges mehr an Stress, Einschränkungen und neuen Problemen als eine monogame Beziehung. Also wenn du bisher dachtest, eine offene Beziehung aus Bequemlichkeit starten zu können, muss ich dich leider enttäuschen. Das einzige, was du damit erreichen kannst, ist das, was ich unter „Offene Beziehung nach Unverbindlichkeits-Prinzip“ beschreibe, maximal noch eine instabile „Offene Beziehung mit einer Hauptbeziehung“.

Für das Starten einer offenen Beziehung aus einer monogamen Beziehung heraus, brauchst du vor allem eine intakte monogame Beziehung. Wenn du das nicht hast, wie stark anzunehmen ist, stehst du vor der Aufgabe gleichzeitig deine Beziehung zu sanieren und die Form der Beziehung zu ändern, was es auch nicht gerade einfacher macht. Auch immer wieder höre ich, dass der Partner das alles einfach schon bei der ersten Erwähnung sofort abblockt und nicht mehr darüber reden will. Hier zahlt sich die Beständigkeit aus, versuch zu erfahren, warum sie nicht darüber reden will, zeigt, dass dir das Thema wichtig ist, aber du auch ihre Abneigung dagegen ernst nimmst. Ein Ansatz der oft funktioniert, ist zu fragen, ob die Mädels denn selbst was dagegen hätten mehrere Typen zu haben. Oft kommt dann so was wie: Nur du reichst mir.

Das ist natürlich gleichzeitig ein weiteres Abblocken, als auch ein Shittest, denn wenn SIE dir reichen würde (und das ist ja hoffentlich so ODER?!?) dann würdest du dieses Thema genau jetzt auf keinen Fall weiter ansprechen! Hier gilt es Fingerspitzengefühl zu beweisen, ich kenne keine Frau, aus der ich nicht ein gewisses Grundinteresse an anderen Männern rauskitzeln konnte und wenn es über den „Filmstar“ Umweg war. (Aber hübsche Männer im Film guckst du dir doch auch gern an? Ja schon…)

Wenn du das Zugeständnis dieses Grundinteresse hast, kannst du von dort aus weiterarbeiten, indem du klar machst, dass der Unterschied den sie zwischen „nur gucken“ und deiner Idee zieht, nur moralischen Tabucharakter hat. Das bedeutet, der wesentliche Unterschied ist, dass man sich selbst verbietet an dieser Stelle auch nur daran zu denken, (= Tabu) auch wenn sich nicht wirklich irgendwas grundlegend unterscheidet. Hört sich vielleicht schwierig an, deshalb hier mal ein kurzes Beispiel, wie so einGespräch laufen könnte:

  • „Aber schönen Männern guckst du doch auch gerne hinterher oder?“
  • „Ja schon… aber das ist ja was anderes!“
  • „Warum ist das was anderes? Du findest sie doch attraktiv! Opis guckst du nicht hinterher.“
  • „Doch! (trotzig)“
  • „Aber nicht deswegen.“
  • „Nein ich interessiere mich halt für Leute.“
  • „Und deswegen guckst du hübschen Männern auf den Arsch, weil du dich für ihre Person interessierst?“
  • „Nein, aber ich guck ja nur! Ich will die ja nicht vögeln!“(du siehst hier auf einmal das Eingeständnis der sexuellen Attraktivität anderer Männer, trotz deiner Beziehung. Oh Wunder ^^ )
  • „Warum denn nicht? Du findest die doch attraktiv aus genau dem Grund.“
  • „Ja, aber ich hab doch dich, wenn ich Sex will.“
  • „Und warum kannst du nicht mit mir Sex wollen und gleichzeitig mit irgendwelchen hübschen Typen?“
  • „Da sind ja dann gar keine Gefühle dabei! Das macht dann kein Spaß.“(indirektes Eingeständnis, der Möglichkeit mit anderen Sex zu wollen)
  • „Es macht überhaupt kein Spaß?“
  • „Na ja mit dir ist es auf jeden Fall viel besser.“
  • „Aber du isst ja auch nicht jeden Tag dein Lieblingsessen oder? Da kann bisschen trocken Brot ja auch mal Abwechslung sein. Und vielleicht ists ja ein Croissant?“
  • „Du bist doof. (lacht)“

Okay, sonderlich weit bist du hier nicht gekommen, aber immerhin das Gespräch wurde so beendet, dass ihr keine Argumente mehr eingefallen sind und noch dazu mit einem positivem Gefühl. (Das ist ein Beispiel. Das Gespräch wird mit Sicherheit nicht genau so laufen, wahrscheinlich wird es schwieriger sein, es geht nur um die gezeigte Mischung aus Liebe zeigen und sokratischem Dialog). Das nächste mal, wenn sie sagt, sie hat kein Interesse an anderen Männern und versteht nicht, warum du andere Frauen willst, wenn du sie doch liebst, brauchst du nur Croissant zu sagen und bist auf einer Ausgangsposition, von der du viel besser auf das eigentliche Thema kommen kannst: Nämlich die Verlustangst und die Eifersucht und das daraus resultierende gegenseitige verbieten von Erfahrungen.

Ich sage dann immer gerne, dass ich lieber den behandle, der Positives mit einer negativen Emotion abwürgt, als dass ich anfange, ihm im Gegenzug seine positiven Triebe ebenfalls abzuwürgen. Für diese Diskussion ist ein Grundverständnis von sexueller Promiskuität als positiv und Abtötung von Lust als negativ natürlich Voraussetzung. Eine offene Beziehung nimmt einem die Grundpfeiler, an denen man sich bisher festgehalten hat und dafür muss ein neues Vertrauen her, das nicht einfach so aus dem Nichts entsteht. Gib deinem Partner dieses Vertrauen, mach ihr klar, dass du sie nicht verlassen wirst. Sprich über die verschiedenen Arten von Eifersucht, die sie verspüren könnte. Das kann alles mögliche sein, vom ganz simplem: „Es ekelt mich, wenn ich mir vorstelle, dass du mit jemand anderem Sex hattest.“ bis hin zu „Ich habe Angst, dass du mich für eine Bessere verlässt.“ All das sind Ängste und Abneigungen, die dir nicht nur von deinem Partner entgegen schlagen werden. Genauso gut ist es möglich, dass du selbst diese Ängste hast. Macht dir klar, dass jedes Recht, das du haben willst, du ihr umgekehrt zugestehen musst. Kannst du das?

Was fühlst du bei dem Gedanken nach Hause zu kommen und deine Freundin stöhnen zu hören, während sie mit einem anderem fickt? Hättet ihr für diesen Fall abgesprochen, was zu tun ist? All die Dinge, die deinen Partner stören könnten, wirst du in irgend einer Form auch in dir selbst finden, denn im Grunde sind wir alle ähnlich gestrickt. Es ist also wichtig, sowohl Respekt vor der Schwäche deines Partners, als auch vor deiner eigenen Schwäche zu haben und die Möglichkeit zu geben, diese zu bearbeiten. Es ist unter Umständen nötig, deinem Partner als erstes die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Männern/Frauen auszuprobieren und ihn dann durch deine positive Reaktion zu überzeugen, dass es möglich ist, das zu leben. Natürlich kann es auch sein, dass du negativ reagierst und dann musst du dich wohl oder übel an die Bearbeitung deiner eigenen Ängste machen, um deine Bereitschaft zu zeigen oder die Rücksichtslosigkeit ihres Verhalten nachweisen und eine Regel für speziell diesen Fall machen.

Das oben beschriebene Beispiel, dass ich nach Hause komme und meine Freundin höre, würde mir z. B. nicht passieren, weil ich grundlegend Bescheid weiß, wann sich mein Mädel mit wem trifft. Sollte so was doch mal vorkommen, hat jeder von uns das Recht, den anderen zu „unterbrechen“, während derjenige, mit dem der andere gerade das Vergnügen hat, erstmal hinten anstehen muss. Deswegen ist die Tür, wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass der andere „früher nach hause kommt“ bei so was zwar zu, aber nicht abgeschlossen. Zusätzlich kriegen die Sexfreundschaften diese Information auch, wenn sie danach fragen (und das tun sie lustigerweise ab einem bestimmtem Punkt meistens) und in den allermeisten Fällen sind sie von dieser Form der Treue sehr beeindruckt. Mit diesem „Regelwerk“ ist zumindest diese Situation also restlos geklärt, ein eventuell rücksichtsloses Verhalten beiderseits leicht zu vermeiden und Vertrauen und Sicherheit gegenseitig gegeben.

Es kann sein, dass du für diese und viele andere Situationen andere Lösungen hast als ich. Auch ich habe mich von dieser Lösung zwar nicht wirklich verabschiedet, aber bin mittlerweile an einem Punkt angelangt an dem manchmal der Sex mit einem anderem Partner – insbesondere wenn es sich dabei um eine potenzielle Beziehung handelt – vor eventuellen Unsicherheiten Vorrang hat. Nicht weil ich verbittert wäre oder außerordentlich oft gestört worden wäre. (Ums in Zahlen zu sagen: Ich erinnere mich in 5 Jahren Beziehung nur an ein oder zwei mal das diese Vereinbarung genutzt wurde. Von mir.) Es ist einfach so, dass diese Unsicherheiten sehr lange nicht mehr vor kamen und wenn sie vorkommen sowohl ich als auch meine Freundin in der Lage sind sie sehr effektiv und schnell ohne die Hilfe des anderen zu bearbeiten. Außerdem habe ich einen fast lückenlosen Informationsaustausch mit meiner Freundin, so dass es gar nicht zu solchen Situationen kommt. Du brauchst das auch nicht alles an dem Abend, an dem du deinem Partner eröffnest, dass du eine offene Beziehung willst, besprechen. So was kommt dann mit der Zeit. Aber zumindest die KONKRETEN Fälle, die dich und deine Freundin beschäftigen, solltest du in irgend einer Form so abklären, dass ihr beide damit leben könnt.

Mehrere Sexfreundschaften und/oder mehrere monogame Beziehungen

Man hat bereits mehrere Sexfreundschaften nebeneinander und eine feste monogame Beziehung, die diese toleriert oder mehrere feste Beziehungen, die voneinander nichts wissen. Unter diesem Punkt sind natürlich mehrere Fälle auf einmal abgefasst. Sie alle gleichen sich aber durch deinen wahrscheinlichen Entwicklungsstand und die Kommunikationsform, die du bisher wahrscheinlich angewendet hast.

Solltest du zu dem Teil der Menschen gehören, die mehrere Sexfreundschaften haben und eine Hauptbeziehung (Königin) haben wollen, also von unverbindlich mehrere Sexfreundinnen zu einer Nummer eins und mehreren Nebenbeziehungen gelangen, lies dir einfach den Text unter „Sexfreundschaft“ nochmal durch. Das Prinzip ist fast das Gleiche, nur dass du eben deine Freiheiten schon genutzt hast und abgesehen von der Änderung deiner Beziehungsdefinition, sich der Status quo nicht groß ändert. Wenn dann gezickt wird, von wegen in einer Beziehung wird so was aber nicht toleriert, mach die Doppelmoral dahinter deutlich, betone nochmal, dass es eigentlich nur um die Bezeichnung eurer Beziehung geht und gib ihr Sicherheit, dass sie für dich die Nummer 1 ist. Da sie das bisher nicht war, wird sie sich davon auf jeden Fall geschmeichelt fühlen und dann kann man wieder konstruktiv reden / streiten und schauen, ob man das Ganze ein wenig lenken kann.

Hab keine Gewissensbisse, dass du dem Mädel was aufzwingst, was sie eigentlich gar nicht will (wie leider immer wieder vehement behauptet wird). Denn wenn sie es wirklich nicht will, was wird passieren? Genau, es wird schlichtweg nicht funktionieren! Bis zu dem Zeitpunkt, wo das der Fall ist, sind allerdings noch alle Wege offen und wenn du in dieser Form in das Schicksal von jemandem eingreifst, verschwendest du auch nicht mehr Lebenszeit, als irgendwelche anderen Vögel, die sie davor hatte oder danach eventuell haben wird. Und du gibst ihr auf jeden Fall eine interessante Erfahrung in ihrem Leben dazu, zumindest aber, auch wenn es schief geht, die Sicherheit, endlich ein wenig mehr selbst zu bestimmen, was sie will. Und nur weil sie sich darauf einlässt, ist sie noch lange kein labiler Mensch oder eure Beziehung Scheiße. Jeder Mensch ist steuerbar und für jede Manipulation, die du auf einen Menschen ausübst, erfolgt immer eine Gegenmanipulation auf dich. Also wie gesagt, Schluss mit diesen schwachsinnigen Gewissensbissen! Die sind aus einer Gesellschaft erwachsen, in der Individualität so groß geschrieben wird, dass es keine Gemeinsamkeiten, Abhängigkeiten und Beeinflussung mehr geben soll.

Ansonsten sind sie das Produkt der Ängste vieler Menschen, die einen wahnsinnigen Schiss davor haben, irgendjemandem die Kontrolle abzugeben und folglich im Umkehrschluss auch für irgendjemanden Verantwortung zu übernehmen. Bevor du also „endgültige Wahrheiten“ von solchen geschädigten Erfahrungsträgern annimmst, überleg dir, wie viele „endgültige Wahrheiten“ im Buch der großen Wahrheiten schon bedächtig durchgestrichen wurden ;). Der Fall, dass du zwei Freundinnen nebeneinander hattest und dies nun offiziell machen willst, unterscheidet sich in der Herangehensweise nicht von dem Fall, dass du einen Partner hast und gleichzeitig eine oder mehrere Sexfreundschaften, die voneinander wissen.

Halt halt, spar dir die Einwände, natürlich ist das ein großer Unterschied in der bisherigen Führung. Aber kein Unterschied, wenn man von diesem Punkt jetzt zu einer offenen oder geschlossenen Polyamorie, also eine offene Beziehung mit mehreren gleichberechtigten Partnern und sexueller Exklusivität oder eine offene Beziehung mit mehreren gleichberechtigten Partnern und Sexfreundschaften will! Der einzige Unterschied ist der Vertrauensbruch, der bei „parallelen“ Partnern erfolgt ist. Dieser kann an sich ein Grund sein die Beziehung zu beenden, aber dagegen kannst du in der Situation mit keiner mir bekannten Technik was machen, außer zugeben, dass du da bisher Mist gebaut hast und es jetzt ändern willst.

Wenn du von diesem Zustand (zwei, die nix voneinander wissen) zu einer offenen Beziehung mit einer Hauptbeziehung und Nebenbeziehungen bzw. Sexfreundschaften willst, also „Königinnen Prinzip“, musst du „nur“ eine degradieren (was vermutlich nicht funktionieren wird es sei denn, sie steht in einem starkem emotionalem Abhängigkeitsverhältnis zu dir), der anderen gestehen, dass du sie bisher angelogen hast und nachdem dieser Vertrauensbruch irgendwie bearbeitet ist, mit dem „Königinnen Prinzip“ weitermachen (was eher funktionieren könnte). Ich warne dich aber, vor allem wenn deine angestrebte „Hauptfrau“ wirklich pfiffig ist und sich mit der angestrebten „Nebenfrau“ gut versteht, werden dich die beiden eher in die Polyamorie führen oder was leider wahrscheinlicher ist, sich am gleichem Tag zur gleichen Uhrzeit beide von dir trennen. Für das erlangen einer offenen Polyamorie, einfach dort weiter lesen

Was man will und wie man da hin kommt

All das oben Genannte ist größtenteils unter der Voraussetzung geschrieben, dass du eine polyamore Beziehung mit „freier“ Wahl der Sexual- und Liebespartner willst. Es gibt aber neben dieser Form noch ein paar andere Formen, die oft mehr dem Gewünschtem entsprechen. Diese vertrete ich zwar nicht, werde sie aber hier dennoch bearbeiten.

Offene Beziehung nach „Unverbindlichkeits“ Prinzip

Die einfachste Form dessen, was man offene Beziehung nennen kann. Wenn jemand erzählt, er habe sich in jungen Jahren ausgelebt, ist oft so etwas gemeint. Im Grunde genommen hat man einfach mehrere Sexualpartner, die zwar vielleicht voneinander wissen, aber keinerlei Einfluss oder Detailwissen voneinander haben. Genauso gilt es umgekehrt, dass du über die Ausschweifungen deiner Partner keinerlei Wissen hast und haben willst.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dazu groß an Anleitung schreiben soll, denn im Grunde genommen ist das ziemlich simpel. Man achtet lediglich darauf, jegliche Diskussionen, ob das in Ordnung ist im Keim zu ersticken (C&F), bzw. Frauen, die so was fortwährend starten von der Liste zu streichen (Freeze) und ansonsten tut man einfach, wonach einem ist. Also ist das Prinzip eigentlich das Gleiche, wie beim generellem Sexfreundschaften Starten. Man macht zuerst seine Regeln je nach Taktik früher oder später klar. Taktik heißt kurzfristig und nicht strategisch. Man macht es auf jeden Fall, aber bei der einen muss man mal ne Woche warten, bei der anderen bis sie sexuell total auf einen abfährt, bei der Nächsten sagt man es am besten, bevor man sich überhaupt geküsst hat etc…

Man fügt hinzu, dass an diesen Regeln nicht zu rütteln ist. Wem das nicht passt, wird höflich aber bestimmt die Tür gezeigt. Wenn in irgendeiner Form darauf eingegangen wird, schafft man mit ausgesprochener „abgemachter“ Unverbindlichkeit und dazu entgegengesetzt realer Nähe durch guten Sex und einfach kein totales Arschloch sein ein Abhängigkeitsverhältnis (Double Blind). Um einen solchen Zustand stabil zu halten, muss man allerdings ein Auge dafür haben, wann sich welche Sexfreundschaft gerade vernachlässigt fühlt und acht geben, dass man keine den anderen bevorzugt, bzw. sich darüber im klaren sein, dass dadurch diesem Leben aller Wahrscheinlichkeit nach sehr bald ein Ende gesetzt ist. Die riechen das 10 Meilen gegen den Wind, wenn du emotional anfängst zu schwanken. Wie gesagt, ich finde, das ist nicht wirklich eine Herausforderung, meiner Meinung nach aber ein instabiler Zustand, den man sich nur über längere Zeit aufrecht erhalten kann, wenn man sich immer wieder neue Mädels sucht. Wenn du eine findest, die genauso auf Unverbindlichkeit besteht wie du, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dich früher oder später gerade in sie verknallst und andersherum (Rückmanipulation des oben genannten Abhängigkeitsprinzip) und kommt damit folgerichtig zum nächsten Punkt.

Offene Beziehung mit einer Hauptbeziehung und Nebenbeziehungen bzw. Sexfreundschaften

Diese Form ist die im PU-Forum am häufigstem anzutreffende Form und viele bringen damit das Buch „Lob des Sexismus“ in Verbindung. Das Prinzip ist im Grunde genommen ein einfaches. Man hat eine Beziehung, schließt aber die bisherige sexuelle Exklusivität als Definition der Beziehung aus, während gleichzeitig eine klare emotionale Exklusivität oder doch zumindest ein emotionaler Sonderstatus ausgemacht wird. Und genau das ist auch der Weg dahin, man arbeitet einfach an der Aufhebung der sexuellen Exklusivität als Grundpfeiler einer Beziehung, während man gleichzeitig die Beziehung als solche unbeirrt weiterführt.

Das Problem ist hier, dass die Herangehensweise an dieses „Problem“ oft über dramatisiert wird, sowohl von deiner vermeidlichen Angebeteten, als auch von den meisten Leuten im PU-Forum. Das liegt vor allem daran, dass die Gründe diese Form anzustreben oft eine tatsächliche Langweile bzw. andere ungelöste Probleme in der Beziehung sind. Ich sag es wie es ist: Wenn du an einer monogamen Beziehung als solche scheiterst, werden deine Probleme durch eine offene Beziehung auf keinen Fall weniger! Wenn du schon mal versucht hast, so was anzusprechen, weißt du, dass eines der ersten Dinge, die man hört, oft ist, dass sie einem wohl „nicht mehr genügt“ und eine (meist mit einer seltsamen Spur von Melodramatik, vermutlich weil ein gewisses Schuldempfinden da ist, weil sie weiß das sie gerade nicht so ganz die Wahrheit erzählt) Versicherung, dass DU für sie absolut ausreichend bist. Sie käme niemals auf die Idee, mit einem anderem Sex zu wollen, denn Sex ist etwas zutiefst Emotionales und bla bla blubb.

An dieser Stelle wird oft geraten dieses Verhalten, in „Lob des Sexismus“ treffend als „Drama“ bezeichnet sexuell zu behandeln. Also in kurz: Spinnt sie rum, fick sie durch. Viele verstehen das als Freischein, Frauen in diesem Punkt nicht ernst zu nehmen, während die eigentlich viel größere Spinnerei dabei übersehen wird: Nicht die Frau als Mensch ist nicht ernst zu nehmen, sondern das gesamte Thema als solches! Es ändert sich nämlich eigentlich überhaupt nichts! Denn letztendlich geht es nur darum, Fremdsex in der Beziehung zu gestatten. Es ändert sich nichts an der emotionalen Exklusivität, es ändert sich nichts am Rollenverhalten, es ändert sich nicht mal groß was an den Regeln! Der einzige Unterschied ist der, dass dort, wo vorher „nur gucken“, „nur flirten“ oder meinetwegen sogar „nur knutschen“ stand, jetzt „nur Sex“ steht. Und sonst nichts! Das ist wie in einem Mietvertrag die Nebenkosten anzupassen. (Eine Ironie am Rande: Ebenfalls nicht unwahrscheinlich ist, dass sich sogar eigentlich nur die gegenseitige Genehmigung dafür ändert, während sich an der Tatsache des bestehenden Fremdsex gar nichts ändert. 😉 )

Alle Probleme, die von diversen Partnern und einigen angehenden PUAs damit in Verbindung gebracht werden, bedeuten letztendlich nur, dass Sex in einen Topf mit etwas emotionalem und Ideologie behafteten geworfen wird. Denn einen logischen Unterschied zwischen „nur gucken“ und „nur Sex“ gibt es nicht, man fängt einfach nur früher an, das Denken von der Tat abzukoppeln. Wenn Sex einen so krassen Stellenwert in der persönlichen Vorstellung von dir oder deiner Besten hat, bedeutet das nur, dass sie und / oder du davon bisher noch nicht genug hattest. Und genau das ist der Grund, warum man solches Eifersuchtsdrama relativ leicht sexuell beenden kann, denn im Grunde ist genau das der Kern der Sache. (Das gilt für diese spezielle Form von Drama, für alle anderen Arten bitte „Lob des Sexismus“ selber lesen ^^)

Nun, bevor ich hier gesteinigt werde: Ja, Sex kann tatsächlich etwas Emotionales sein. Aber überleg doch mal: Der Witz an dieser Beziehungsform ist ja gerade die Abmachung, dass die emotionale Exklusivität erhalten bleibt! Und das ist auch der Fall, wenn du eine weitere „minderwertige“ Beziehung mit etwas mehr als „nur Sex“ nicht ausschließt, denn jede Form von ausgemachter Rangfolge ist letztlich eine emotionale Exklusivität, selbes Prinzip wie von „nur flirten“ zu „nur Sex“. Das bedeutet, der Kniff an der ganzem Sache ist eigentlich nur, dich selbst und deinen Partner davon zu überzeugen, dass es diese Möglichkeit gibt und dass du auch nichts anderes willst als genau das. (Sex ohne emotionale Verbindung, oder zumindest mit weniger intensiver, ja der macht meistens weniger Spaß, nein deswegen ist es nicht komplett abzulehnen, (siehe Croissant Beispiel) außerdem kannst du das als Argument gegen die Verlustängste benutzen (warum verlassen, wenn ich mit dir weiterhin den besten Sex habe werde?). Wenn du es schaffst, diese Sichtweise zu vermitteln und auch selbst so zu sehen, wirst du weder im Starten, noch in der konsequenten Führung einer solchen Beziehung groß Probleme haben, weil jegliches Eifersuchts- und Verlustangst Problem mit dem neuem Exklusivitätsvertrag, der sich nur in genannten Details von dem altem unterscheidet, begründen bzw. den Problemen die Grundlage nehmen kannst.

Eine andere Situation hast du freilich, wenn die Verlustängste deiner Liebsten oder von dir selbst zu irgend einem Zeitpunkt begründet sind, weil du dich tatsächlich „gleichwertig“ in jemand anderen verliebt hast. Du hast demzufolge die ausgemachte emotionale Exklusivität oder „Treue“ verletzt. Vielleicht kriegst du das Problem gelöst, das ist allerdings wieder ein Problem der Beziehungsführung und nicht des Starten einer solchen Beziehung. Nur ein Tipp: Wenn du mit so einem Problem tatsächlicher Verletzung der emotionalen Exklusivität in dieser Art der Beziehung von DIR gegenüber deinem Partner konfrontiert bist, löse das Problem nicht mit einer Manipulation der Stärke, sondern mit einer der Schwäche. Noch besser wäre es natürlich, wenn du dich tatsächlich schwach zeigst und eine Möglichkeit bietest, an dich ran zukommen. Aber dabei kannst du natürlich verletzt und verlassen werden. Eine weiter Möglichkeit ist aber, dass es dich zu diesem Zeitpunkt zu einem der im Folgenden erklärten Punkte zieht.

Offene Beziehung mit mehreren gleichberechtigten Partnern und sexueller Exklusivität

Jetzt kommt so was, wie eine Paradoxie der modernen Gesellschaft, denn bei dieser Form handelt es sich letztlich um eine geschlossene offene Beziehung. Klingt verrückt? Wie soll man überhaupt in eine solche Situation kommen? Der Weg ist, dass du alle grundlegenden Dinge richtig machst und alle oberflächlichen ganz falsch. Meist läuft das Ganze so ab, dass man seinem Partner einen neuen Partner vorstellt, den man emotional nicht unter den alten stellen will und gleichzeitig den alten Partner gerne vollwertig behalten will. Daraufhin folgt Drama, blablub, etc. und wenn man halbwegs geschickt ist, erreicht man, dass die beiden sich mal ohne einen treffen. Das muss übrigens sehr zeitnah geschehen und man sollte darauf achten das sich die beiden auch tatsächlich treffen um über die gemeinsame Situation zu reden und nicht zwei Stunden lang um den heißen Brei zu reden. Normalerweise verstehen sie sich ziemlich gut miteinander, sind jeweils übertrieben vorsichtig und werfen sich eigentlich sogar zu wenige Bedenken und Ängste an den Kopf, um den anderen nicht zu verletzten. Einer der elementarsten Aufgaben in einer so offenen Konstellation ist es, dass die beiden gleichgeschlechtlichen Partner Vertrauen zueinander haben und sich „verbrüdern“ (siehe dazu unbedingt auch den nächsten Punkt an!!).

Dann kommt jedoch etwas, was sie beide kalt erwischt, nämlich die Frage: „Wer garantiert uns denn, dass jetzt nicht eine Dritte ankommt und wir beide fallen gelassen werden oder uns nochmal arrangieren müssen?“ Wenn man hier einen einfachen Weg sucht, macht man dann diese Beziehungsform einer geschlossenen offenen Beziehung aus. Man schließt diese Dreier-Konstellation als solche fest ab, oder konzentriert sich in Zukunft nur noch auf die Suche nach einem viertem Partner, der ein Gleichgewicht bringt. Jegliche weiteren sexuellen Kontakte werden jedoch untersagt, unter der folgerichtigen Logik, dass ja, wenn es schon das erste Mal sich so entwickelt hat, dass aus „nur Sex“ Liebe wurde, keiner garantieren kann, dass das nicht nochmal passiert.

Warum man sich auf einen solchen Deal einlassen sollte? Das weißt du spätestens, wenn du mal in zwei Menschen gleichzeitig verliebt bist und sie von dir das gleiche fordern. Außerdem ist man in so einer Situation sexuell und emotional derartig ausgelastet und ständig zwischen absoluten Hochs und krassen Tiefs, dass man sich nicht mal vorstellen kann, jemals noch Interesse an einem weiterem Partner zu haben. Wenn man sich also nicht schon prinzipiell überlegt hat, dass man alle Freiheiten haben will, sieht man in dem Moment also keinen Grund, darauf nicht einzugehen. So wie frisch verliebt sein, nur dreimal so schlimm.

Man hat also letztlich das Muster einmal aufgebrochen, jedoch braucht man selbst oder die Partner weiterhin die Krücke der Exklusivität, weshalb diese Lösung die einzig logische ist. So eine Beziehung kann mittel- bis langfristig funktionieren. Langfristigkeit setzt allerdings eher ein ausgeglichenes Mann-Frau Verhältnis, also typischerweise zwei Männer, zwei Frauen voraus. Das muss dir nicht den Schlaf rauben, aber du solltest es zumindest im Kopf haben, dass irgendwann eins deiner Mädels sich in einen weiteren Typ verlieben wird und du vor dem Scheideweg stehst. Entweder die Beziehung erneut öffnen und den Typ zu unterstützen und genauso wie vorher die Mädels versucht haben miteinander solidarisch zu sein, versuchen jetzt mit ihm solidarisch zu sein. (dabei aber gleichzeitig nicht von ihm verarschen lassen, wenn er das Mädel, wie anzunehmen, zumindest anfangs eigentlich für sich allein will! Das Konkurrenz Prinzip ist bei Typen in der Regel deutlich stärker ausgeprägt). Oder den Typen absägen oder besser, von deinen Mädels absägen lassen, wenn er ein Idiot ist. Oder aber gar nichts zu tun, was allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass sich diese Freundin von dir trennt und mit ihm fortan eine wie auch immer geartete monogame Beziehung führt.

Wie lange, das ist eine andere Frage, wer einmal Blut geleckt hat und offene Beziehung nicht nur besprochen, sondern auch gelebt hat, vergisst dieses Lebensgefühl nicht so schnell wieder. Sei dir bewusst, dass unsere gesamte westliche Ideologie in genau diese Richtung tendiert. Das bedeutet, dass du immerzu Beziehungsarbeit leisten musst, damit diese überhaupt stabil bleibt, ganz zu schweigen davon, dass sie sich entwickeln soll. Tust du das nicht, greifen früher oder später wieder die alten Muster und irgend ein daher gelaufener Geck verspricht das Blaue vom Himmel, vor allem aber eine monogame Exklusivität und du schaust in die Röhre. Du schwimmst hier nun mal gegen den Strom.

Offene Beziehung mit mehreren gleichberechtigten Partnern und Sexfreundschaften

Jetzt kommen wir zur Königsdisziplin der offenen Beziehungen, eine Beziehung, in der es weder sexuelle, noch emotionale Exklusivität gibt und zu jedem Zeitpunkt weitere Partner erlaubt und erwünscht sind. Ja richtig gelesen, erwünscht! Klingt nach einem Wunschtraum? Das liegt vor allem daran, dass sehr viele Menschen sich diesbezüglich falsche Vorstellungen machen. Entweder wird das Thema gänzlich schön geredet, meistens von Menschen, die bisher noch nicht mal eine funktionierende monogame Beziehung zustande bekommen haben oder es wird als widerwärtig, falsch und Verbrechen gegen die Menschheit und den Gott des Spermas verteufelt. Auch nicht selten ist die Behauptung, es sei einfach „unmöglich“, meistens von Menschen, die einen schlechten Text gelesen, diesen falsch verstanden, es dann dilettantisch umgesetzt haben und dadurch fürchterlich auf die Fresse geflogen sind. Das ist an sich nichts Schlimmes, daraus aber ein „ewiges Naturgesetz“ zu folgern, dass diese Beziehungsform aus Prinzip bei niemandem funktionieren könne, ist einfach falsch.

Wie setzt man eine solche Beziehung also um? Die Herangehensweise unterscheidet sich von allen bisherigen Möglichkeiten wesentlich. Und zwar vor allem deswegen, weil man nicht wie in den anderen Möglichkeiten beschrieben eigentlich „nur“ die Hemmschwelle senkt, sondern das ganze Prinzip des Exklusivität an sich anzweifelt und bekämpft. Du brauchst dafür erstens ein gesundes Selbstbewusstsein, zweitens ein gesundes Selbstbewusstsein deines Partners und drittens noch mehr gesundes Selbstbewusstsein! Wenn du dich für diesen Weg entscheidest, musst du dich absolut endgültig von der Illusion verabschieden, es ginge dabei nur darum, deinem Partner deinen Wünschen entsprechend umzumoddeln. Viel mehr wird dich der Teil kosten, an dem du dich selbst umzumoddeln gezwungen bist. Denn du wirst immer wieder Situationen erleben und an Grenzen von dir selbst stoßen, bei denen dir kein PUA der Welt eine Musterlösung bieten wird und du letztlich einzig und allein auf deinen gesunden Menschenverstand und deine Intuition angewiesen bist.

So und nun genug der warnenden Worte, es ist mir einfach sehr wichtig zu sagen, dass dieser Weg kein Zuckerschlecken ist und keineswegs die Lösung all deiner Probleme bedeutet. Die erste Frage ist, weshalb man überhaupt motiviert ist, diesen Weg zu wählen? Idealisierte Vorstellungen einer perfekten offenen Beziehung als Grund, habe ich hier hoffentlich schon weitestgehend aus dem Weg geräumt. Der bei weitem häufigste Grund allerdings ist schlichtweg Empirie. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen ihren Partner lieben wie am erstem Tag und dennoch anfangen, für weitere Menschen Gefühle, Liebe und natürlich sexuelles Begehren zu entwickeln – ohne, das dabei subjektiv das Gefühle Liebe und sexuelles Begehren zum altem Partner abebben würden. Leider erhält man in dieser Situation kaum brauchbare Hilfe. Alle Welt drängt einen, sich zu „entscheiden“ und oft tendiert man am Ende dazu, doch zu glauben, dass entweder das neue oder das alte Gefühl „falsch“ waren, obwohl man anfangs eigentlich von der Richtigkeit der eigenen Emotion überzeugt war.

Ein weiterer, deutlich seltener, aber dennoch vorkommender Grund, ist, dass rein objektive rationale Durchdenken von Beziehungsformen allgemein, mit der logische Konsequenz, dass dieser Zustand der ideale wäre. Man entscheidet sich dann für diese Form der Beziehung aus Prinzip. Leider fehlt hier natürlich jegliche Erfahrung und jegliche Kenntnis, ob man trotz aller Logik einer solchen Beziehung emotional gewachsen ist. Ein etwas weniger theoretischer Ansatz, der aber in die gleiche Richtung geht, ist die Erfahrung wiederholter serieller Monogamie. Hier kann man sich irgendwann die Frage stellen, gerade wenn man bereits sehr viele Partner hatte, was dieser ständige Wechsel und jedes mal der radikale Bruch mit der eigentlich lieb gewonnen „Ex“ überhaupt soll. Wenn man sich dann überlegt, ob es keine andere Möglichkeit gib, die eigene immer wieder durchbrechende sich gesund anfühlende Lust auf Sex zu befriedigen, ohne dabei lauter traurige Ex-Partner zurück zu lassen, kann man eine enorme Wut auf die bisherige „Systematik“ des sich wiederholenden Systems entwickeln und durch diese verzweifelte Wut darauf kommen, dass die Beziehungsform der Polyamorie sinnvoller ist.

In allen drei Motivationen liegt meiner Meinung nach ein wichtiger Schlüssel, zu dem Fehler, den viele Menschen machen, wenn sie sich für diese Beziehungsform entscheiden. Alle Motivationen haben gemeinsam, dass eine Situation entstanden ist, in der die herkömmliche, gesellschaftlich akzeptierte „einzig mögliche funktionierende“ Beziehungsform Mängel aufweist. Entweder indem es einen empirischen Gegenbeweis gab, (dich selbst!) oder eben, indem du alles mit Logik soweit auseinander genommen hast, dass du dir der Fehler des Systems sicher bist bzw. du erkannt hast, dass die bisherige Systematik dich unglücklich macht. Alles bedeutet ganz klar eines: Man KANN die alte Realität nicht mehr akzeptieren, denn sie ist falsch.

Und das bedeutet ganz einfach, dass dieser Punkt nie wieder zur Diskussion stehen kann. Egal wie du es drehst und wendest, sobald du entgegen deiner Überzeugung einer monogamen Beziehung zustimmst, lügst du dir selbst in die Tasche und keine Ideologie der Welt wird daran etwas ändern. Und genau das musst du deinem Partner klar machen. Das ist es, was so viele Beziehungen eben doch in die Monogamie zurück holt: Die Möglichkeit, die Beziehung doch in irgend einer Form monogam zu führen, weil du deinen Partner ja schließlich liebst. Nein! Es handelt sich ab jetzt, ab heute, ab sofort bei diesem ganzem Lebenskonzept um ein Prinzip. Es ist nicht ausgearbeitet, es ist schwer zu verteidigen und noch schwerer zu leben, es ist verdrehbar und verschiebbar, aber es ist wie die Büchse der Pandora: Einmal geöffnet, führt nie wieder ein Weg zurück in die Unwissenheit. Du hast es schließlich erfahren! Deine Emotion der doppelten Liebe, deine Logik, dein Zorn auf die Systematik war real und ist nicht wegzureden! Auch nicht von deiner heiß geliebten Freundin.

Ich will dir nichts vormachen, ich selbst habe fast ein Jahr mit meiner Freundin keine offene Beziehung geführt und das ganze erst Schritt für Schritt aufgebaut, aber mir war zu jedem Zeitpunkt klar: Da will ich hin. Hätte sich dieser Punkt als unüberwindbar raus gestellt, hätte es langfristig keine Perspektive gehabt. Wie ändert man also eine emotionale Exklusivität und baut eine Beziehung auf nichts als Vertrauen auf? Ich gehe davon aus, dass du eine Freundin und daneben eine oder mehrere Sexfreundschaften hast, du das „Königinnen Prinzip“ Ziel quasi erreicht hast. Wenn nicht, ist das Königinnen Prinzip nicht nur ein guter, sondern auch ein logischer Zwischenschritt, auch wenn du dann von Anfang an deine Zweifel an jeglichen Exklusivitätsgedanken ausrücken solltest, so das es klar ist, dass es sich um eine Übergangsphase handelt. Die unter „Offene Beziehung mit einer Hauptbeziehung und Nebenbeziehungen bzw. Sexfreundschaften“ angeführte Argumentation kannst du zwar trotzdem benutzen um Ängste zu minimieren, aber fairerweise nicht um sie komplett aufzulösen.

Auf jeden Fall verliebt man sich nicht einfach so in ein neues Mädel, wenn man noch nie Sex mit ihr hatte, vor allem nicht, wenn du außerdem eine Freundin hast, die du weiterhin liebst. Falls doch, hast du ein Oneitis Problem. Das du gleichzeitig eine Freundin hast, es also nicht nur „one“ ist, ändert daran nichts. Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass du dich irgendwie überzeugt hast, das offene Polyamorie ohnehin das ist, wo du hin willst, ohne jemals eine Königin gehabt zu haben. Der Weg ist dann ähnlich, wie wenn du bereits Sexfreundschaften hättest, nur dass du mehr Zeit hast mit der Freundin alles abzusprechen und dich selbst auch erstmal an Fremdsex deines Partners gewöhnen kannst. Der Schock, wenn du oder sie es dann tatsächlich umsetzt, wird aber trotzdem da sein. Meistens rechnen die Mädels und auch man selbst nicht damit, dass du das ernst meinst oder jemals umsetzt, was du sagst, bis es eben passiert. Als Übergang könnt ihr z. B. in einen Pärchenclub oder hochwertigen Swingerclub gehen, oder euch auf einer Pärchen Seite anmelden. Wenn man gemeinsam Erfahrungen macht, gibt einem das oft die Sicherheit, die man braucht, um die Beziehung auch bezüglich emotionaler Exklusivität zu öffnen.

Gehen wir nun aber davon aus, das du diesen Schritt schon hinter dir hast bzw. du gleich von 0 auf 100 willst. Es kommt dann immer wieder vor, dass das Wort Sexfreundschaft eben zutreffender ist, als das Wort „Fuck Buddy“ und sich mit der Zeit herausstellt, dass es zu einer oder mehreren deiner Sexfreundschaften eine Verbindung gibt, die mehr als nur Sex bedeutet, während du gleichzeitig deinen Beziehungspartner weiter uneingeschränkt liebst. Das führt bei vielen Menschen erstmal zu Verwirrung und Hilflosigkeit, denn so etwas ist komplett außerhalb der Norm, man hat bisher nicht einmal daran gedacht, dass so etwas möglich ist. Gleichwertige Liebe für mehr als einen Menschen? Geht das überhaupt? Ja, es geht! Aber mach dir klar, dass du hier gerade auf ein grundlegend anderes Konzept zusteuerst als das, was du bisher hattest, auch wenn viele Menschen von außen zu voreingenommen sind, um einen Unterschied zwischen offenen Beziehungen mit weiter bestehenden Exklusivitätsansprüchen irgend einer Art und offener Polyamorie ohne irgendwelche Exklusivätsansprüche zu erkennen. Bei diesem Erlebnis handelt es sich um die oben genannte Erfahrung, die das Leben verändert.

Egal wie deine Partnerschaften bisher aussahen, sie drückten sich vor allem durch das „Leben und Leben lassen“ Prinzip aus, stimmts? Entweder wussten die Beziehungen überhaupt nichts voneinander, was unwahrscheinlich ist, da das auch im PU-Forum auf wenig Begeisterungszurufe stößt oder sie „wissen zwar, dass es da andere gibt“, aber nicht „wen, wann und wie viele“. Das so oft proklamierte „vorprogrammierte“ Drama mit dem so viele dieses Konzept als kurzlebig markieren, ist tatsächlich vorprogrammiert, wenn man diese Form der (Nicht-)Kommunikation gewählt hat. Das Ziel, das du gerade anpeilst, eine Liebesbeziehung mit mehren Menschen zu haben, erfordert eine ganz andere Herangehensweise als der bisherige Ansatz.

Du musst anfangen ehrlich zu sein! Du musst anfangen, von den Männern deiner Beziehung wissen zu wollen und wenn sie keine hat, dafür zu sorgen, dass sie welche bekommt. Du musst anfangen, darauf zu bestehen, auch diesen Teil deines Lebens mit deinem Partner teilen zu können und es ihr zu erzählen, egal ob sie es hören will. (Zumindest anfangs. Setz bitte deinen gesunden Menschenverstand ein, ich erzähl meiner Freundin auch nicht in jeder passenden oder unpassenden Situation sofort jede Kleinigkeit die ich gemacht habe, aber solange die Kleinigkeiten nicht von beiden Seiten als solche wahrgenommen werden, sollte man darauf bestehen). Du musst deiner alten Beziehung deutlich zeigen, dass du sie liebst und für keine Frau der Welt vorhast, sie zu verlassen.

Aber Achtung! Das beinhaltet nicht einen Freischein, sich scheiße behandeln zu lassen, das bedeutet nur: „Ich werde dich ganz bestimmt nicht DESWEGEN verlassen.“ Alle anderen Möglichkeiten einer Trennung bleiben selbstverständlich weiterhin offen. Ein im Grunde harmloser kleiner Trick, aber manch einer fällt auf so einen Müll rein. Der neuen musst du zeigen, dass sie nicht das dritte Rad am Moped ist und auch nicht minderwertig, sondern die gleichen Rechte und Pflichten hat wie die „ältere“. Sag ihr das mit den Pflichten explizit! Das ist auch fürs Seelenheil von ihr komischerweise viel wichtiger als das Zugestehen der Rechte! Aber das mit Abstand Wichtigste, wenn du eine solche Beziehungsform anstrebst, ist, mit aller möglichen Kraft dafür zu sorgen, dass die beiden sich verstehen, mögen und solidarisch miteinander sind. (Das gilt auch für offene Beziehung mit mehreren gleichberechtigten Partnern und sexueller Exklusivität!). Dieses Ziel der gleichgeschlechtlichen Solidarität MUSS an erster Stelle stehen, ohne das funktioniert es nicht und Punkt. Du musst irgendwann den Schritt wagen, die beiden einander vorzustellen, dich verbal durch Schweigen oder noch besser körperlich zu verschwinden und darauf zu vertrauen, dass die beiden Damen, die du dir ausgesucht hast, genügend Grips und soziale Kompetenz haben, um miteinander zu kooperieren.

Ist diese „Verschwesterung“ oder „Verbrüderung“ (je nachdem) erfolgt und entgegen deiner schlimmsten Alpträume, haben die Mädels oft unglaublichen Respekt und Achtung voreinander, hast du grundsätzlich bessere Karten. Die Mädels werden einen gnadenlos lenken und werdet lernen müssen dieses Gefühl, keine Kontrolle zu haben, zu genießen. Am Anfang wird es einen fast wahnsinnig machen, aber mit der Zeit kommt man auf den Geschmack. Sollte ein Mädel anfangen sich mit DIR gegen das andere Mädel zu verschwören, musst du das sofort unterbinden. Hol die andere dazu und sprich auch die Sachen, die dir über die andere „im Vertrauen“ gesagt wurden, sofort an. Natürlich solltest du vorher eine Ansage machen, dass dieses „erzähls nicht weiter“ in Zukunft nicht mehr laufen wird. Und auch hier: Setzt deinen Verstand ein. Wenn sie dir von deinem totem Vater erzählt ist das nicht unbedingt etwas das du der anderen sofort auf die Nase binden musst, genauso wie du das bei einem bestem Freund eventuell nicht tun würdest. Sobald es aber anfängt irgendwie eine Intrige zu sein um eine irgendwie geartete Intimität zu erstellen, muss es eben doch auf den Tisch. Die Übergänge sind fließend, hör auf deinen Verstand und dein Bauchgefühl!

Lass dich nicht davon verwirren, wenn dir gesagt wird, dass sie gerne was Besonderes wäre! Was Besonderes sind sie beide, aber das hat nichts mit Exklusivität zu tun. Besonderheiten sind z. B. Apfel und Banane und dass man Bananen eher schält als Äpfel, Exklusivität ist z. b., dass du Bananen nur draußen isst. Steh das Gekeife und die Diskussionen durch, du wirst dadurch letztendliches eine stabilere Beziehung haben, da du damit eindeutig beweist, dass es von keiner Seite einen Grund für Misstrauen gibt. Denn du zeigst damit einerseits Loyalität zu der Zweiten, andererseits, dass dir die Sache wirklich ernst ist und erzielst damit nebenbei – was du damit anfangs vermutlich gar nicht bezweckst und die Mädels am wenigsten checken – den größten Effekt bei derjenigen, die du in die Schranken gewiesen hast. Denn die wird unterbewusst den völlig richtigen Schluss ziehen, dass dieses Verhalten bedeutet, dass du dich auch von der anderen nicht gegen SIE ausspielen lässt und somit verliert sie ganz nebenbei – unbewusst – eines der größten Verlustangstprobleme überhaupt.

Unterbindest du diese Spielchen nicht, mündet das ganz schnell doch wieder in eine irgendwie geartete Exklusivität. Das alles klingt jetzt schon schwer genug, es stecken aber noch jede Menge mehr an Diskussionen und Streitereien dahinter, die du die Freude hast führen zu dürfen/müssen. Nur mal ein kleiner Vorgeschmack an Themen, die da kommen könnten:

  • „Du liebst sie mehr als mich!“
  • „Du hast öfter/besseren Sex mit ihr, als mit mir!“
  • „Ich hab zu wenig Zeit mit dir!“(und das liegt an ihr!)
  • „Ich fühle mich von euch beiden nicht ernst genommen!“ (ehemal. Sexfreundschaft)
  • „Ich denke, du nimmst sie zu ernst.“ („ältere“ Freundin)
  • „Ich habe Angst, sie zu verletzen.“ (beide)
  • Eine der beiden spinnt tatsächlich rum und die andere merkt das vor dir, wodurch du in der Position bist abschätzen zu müssen, ob es stimmt, was die eine an der anderen kritisiert oder ob es ein versteckter Eifersuchtsangriff ist. (Tipp: wahrscheinlich beides)
  • Beide spinnen rum und keine ist bereit zugunsten der anderen nachzugeben.
  • Man selbst spinnst rum und verletzt eines oder beide Mädels dabei, woraufhin diese beleidigt sind und man in der Position ist, sowohl sich selbst schnellstmöglich zu stabilisieren, als auch den Schaden zu beheben, den man gerade selbst angerichtet hat.

Angst? Gut so, wag es trotzdem, mit der Zeit findet man ein perverses Vergnügen daran. Auch muss als Grundlage die emotionale Exklusivität als Definition einer Beziehung angezweifelt werden. Dafür ist sowohl eine stabile Beziehung vonnöten, als auch eine Neudefinition des Wortes „Beziehung“ und des Wort „Treue“. Ich empfehle dir hier den anderen Text den ich zu diesem Thema geschrieben habe: „Offene Beziehungen führen“, denn darin sind bereits viele mögliche Ängste und die Reaktion darauf sehr ausführlicher geschildert. Es hier noch einmal zu tun, würde den Rahmen sprengen.

Die grundsätzliche Lösungsform für all diese Dinge ist auch hier: Ehrlichkeit. Wenn du die eine mehr liebst als die andere oder lieber Sex mit ihr hast, gesteh das ein, erkläre gegebenenfalls warum und insbesondere wenn du überhaupt keinen Grund weißt, sagt auch das. Ich kann dir nicht so recht erklären warum, aber durch die Aussprache dieser Tatsache, hat sich das Problem oft von alleine gelöst, u. a. weil ich überrascht war, wie gut die Frau das aufgenommen hat und ich mich spontan unendlich neu in sie verliebt habe, dass sie mir sogar solche Macken vergibt (Nicht vergessen, das auch zu sagen übrigens). Aber da es hier nur um das Beginnen solcher Beziehungen gehen soll, zieh ich hier jetzt einen Schlussstrich.

Schlusswort

Vielen Dank für das Lesen dieses doch wieder recht lang gewordenen Text. Ein so komplexes Thema, noch dazu in mehreren Ausführungen, lässt sich leider nicht auf zwei Seiten zusammenfassen. Wenn du Anmerkungen, Verständnis Probleme, Verbesserungen, Kritik, Lobeshymnen oder sonstige Meinungen zu diesem Text hast nur alles her damit. Für alle die bereits mitten in einer offenen Beziehung stecken, gibt es noch meinen weiterführenden wenn auch chronologisch älteren Text, „Offene Beziehungen führen“.

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