Ansatz um ein Natural Game zu entwickeln

SonnenuntergangVorneweg: Dies ist ein POSITIVER Artikel zu Natural Game und er soll versuchen, den Routine und Technik Gamern diese Methode näher zu bringen und zumindest im Ansatz standardisiert darzustellen, was so was wie ein Paradox ist. Egal los geht’s.

Viele wissen es nicht, aber Natural-Game ist bei Viel-Fickern out. Natural Game bedeutet in den meisten Fällen in etwa, dass derjenige nicht wirklich weiß wovon er redet und im Grunde auch nicht wirklich jemals ernsthaft versucht hat sein Game zu verbessern. Fairerweise muss man dazu sagen, dass auch Technik Gamer in Viel-Ficker Kreisen irgendwie einen schlechten Ruf haben, insofern, dass sie soziale Roboter sind und versuchen jegliche Kommunikationsformen in Muster zu pressen, in die sie nicht gehören.

An dieser Stelle möchte ich einen Cut machen und dir einen neuen Gedankengang vorstellen. Diesen Bullshit, Kommunikationsformen ließen sich nicht in Muster pressen habe ich nie vertreten. Klar kann man sie durchschauen, formulieren, Mustern, Clustern und anwenden. Und am Anfang war es genau diese ursprüngliche Pionierbewegung, die genau das getan hat, die Pickup überhaupt erst so groß gemacht hat. Ohne diese Standardisierten Muster und Konzepte könnten auch wir angeblichen „Natural-Gamer“ die speziellen Probleme die wir haben nicht bearbeiten und würden ab einem gewissen Punkt auf der Stelle treten. Die Techniker sind quasi unsere Wissenschaftler und nur weil sie es tun, müssen wir Natural-Gamer uns nicht mit astronomisch eklig hohen „Fallzahlen“ rumschlagen. Ich persönlich habe einen riesen Respekt vor dieser Arbeit.

Warum du einfach nur einen gesunden Menschenverstand brauchst

Aber es gibt eine ganz andere Kritik an „Technik-Game“ als das es angeblich nicht möglich wäre Kommunikation zu entschlüsseln. Und zwar ganz einfach, dass es einfach völlig utopisch ist für alles eine Technik zu haben. Das ist der Punkt wo die Technik-Gamer von der Realität abweichen, denn jeder der behauptet für jeden Scheiß eine Routine zu haben, muss entweder wirklich ein gottverdammter Roboter sein, oder er belügt sich selbst. Ab einer gewissen Entwicklungsstufe gehen viele „Routinen“ und „Techniken“ einfach automatisch ins eigene Verhaltensmuster über, ohne dass man sich groß darüber Gedanken machen muss. Es ist sogar so, dass die Techniker, um an neue Thesen zu kommen, in Gebieten zu denen es noch nichts gibt, regelmäßig die Naturals beobachten müssen und dass die meisten „Techniken“ die wir ganz groß feiern eigentlich nur beschissen gesunder Menschenverstand sind.

Beispiel Freeze out. Ganz groß gefeiertes Konzept, viele missverstehen es, viele benutzen es völlig falsch, aber im Grunde genommen sind wir uns alle einig, dass es ein wichtiges Konzept ist. Aber erlauben wir uns den Scherz und formulieren das ganze mal in ganz normalen Alltagssprech um. „Wenn sich eine Person mir gegenüber respektlos verhält, oder sich zu wenig bei mir meldet, melde ich mich eine Weile nicht mehr und mache andere Dinge, bis ich irgendwann vergessen habe, dass diese Person mir auf die Nerven ging und ich wieder Lust habe, mich bei ihr zu melden, oder sie sich glaubhaft entschuldigt hat.“ Leute, wie NORMAL ist das denn? Das sollte sich eigentlich absolut jedem als völlig gesundes Verhalten erschließen und wenn ich ehrlich bin wende ich seit dem ich 12 bin Freeze Outs an, ich hab sie nur nie so benannt oder definiert.

Oder das Konzept Drama. Hoch gefeiert, ole ole eine riesen Erkenntnis. Drama Handling ebenso. Was steckt real dahinter? „Wenn sie so viel Müll redet, dass ich dass Gefühl habe, sie entfernt sich komplett von der Realität, hör ich auf sie ernst zu nehmen und gehe stattdessen auf die emotionale Ebene ein, sei es mit Sex oder indem ich ihr Konsequenzen aufzeige.“ Klingt eigentlich nicht so mega fortgeschritten. Würde irgendein gesunder Mensch jemals auf die Idee kommen etwas anderes zu behaupten? Oder Betaisierung. Mein Gott war das ein Hype. Da hat man endlich mal einen Namen für… ja für was denn eigentlich? „Ein Mensch der es versucht einem anderen Menschen komplett recht zu machen, macht sich selbst unattraktiv und abhängig. Während wir oberflächlich alle ständig versuchen Leute dazu zu bringen unsere Meinung zu übernehmen, sind wir im Grunde genommen über die Freunde am meisten froh, die uns auch mal die Meinung geigen und von denen wir neuen Input kriegen. Und ja das gilt auch für Frauen und ja es gilt auch insbesondere für den Partner.“ Hm. Was zur Hölle, das ist völlig logisch und absolut selbstverständlich, für jeden der sein Hirn anschaltet. Ich spare mir hier jetzt weitere Beispiele, ich denke du weißt worauf ich hinaus will.

Ich denke eine JEDE Technik, egal ob LMR behandeln, Oneitis überkommen, ja eigentlich alles wofür wir uns so bunte Namen ausgedacht haben, lässt sich mit simpler rationaler Logik in eine einfache generelle Aussage verwandeln, die eigentlich nahezu jedem völlig einleuchtend ist. Der Verdienst der Techniker ist es diese generellen Aussagen in eine standardisierte Form zu packen, in der sie untersuchbar, verallgemeinerbar und an jeden vermittelbar ist. Aber wer will diese ganzen Techniken denn alle bewusst im Kopf behalten, während er einfach nur einen ganz normalen entspannten Flirt führt? Wer will sein Hirn so dermaßen auf Hochleistung bringen und dabei auch noch entspannt wirken und das bei nahezu jeder Konversation? Das kann man einfach nicht und jeder Technik Gamer, der behauptet er würde nur nach Technik gamen lügt. Er hat einfach nur deutlich mehr davon bewusst, aber wenn er alles bewusst hätte, würde er schlichtweg durchdrehen.

Was genau machen Technik Gamer?

Was Technik Gamer machen, ist Dinge so lange üben, bis sie quasi in Fleisch und Blut übergehen, ohne das man drüber nachdenken muss, wie man es z. B. auch beim Kampfsport macht. Aber ganz ehrlich, das ist einfach unglaublich viel Arbeit und wenn ich für jeden Punkt so viel Zeit investiere, brauche ich echt verdammt viel Aufwand, um irgendwann mal dorthin zu kommen, wo ich mich tatsächlich entspannt zurücklehnen kann und es läuft von alleine.

Ich persönlich zähle mich nicht zu den Technik Gamern, weil Technik Game scheiß anstrengend ist und ich ziemlich faul bin, sobald meine Bedürfnisse ausreichend gedeckt sind. Zähle ich mich zur „Natural Game“ Fraktion? So wie die meisten und berechtigterweise auch die Technik Gamer ihn verstehen: Ganz sicher nicht. Wenn ich kein Interesse an Techniken hätte wäre ich nicht seit Jahren in einem Forum, dass sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Und ganz ehrlich, jeder der behauptet er würde Natural Game fahren belügt sich im Grund genauso selbst, wie die Leute die behaupten sie würden nur Technik Game fahren.

Betrachtung des Natural Games

Aber irgendwas an diesem „Natural Game“ ist eben doch verlocken, es vermittelt eine gewisse Leichtigkeit, die Posts dazu sehen immer irgendwie so aus, als müsste es nur einmal „Klick“ im Hirn machen und alles würde von allein laufen und es erspart einem einfach die ganzen unzähligen Misserfolge, die mit Pionierarbeit verbunden sind. Aber genau da liegt eben auch eine der größten Schwächen des „Natural Game“, es ist einfach bisher nie wirklich standardisiert worden, bzw. die wesentlichen Punkte sind nie zusammengefasst worden, sondern nur immer in irgendwelche halb esoterischen Aussagen verpackt worden, wie zum Beispiel: „Sei einfach du selbst.“, oder „Lass los.“ oder dergleichen. Das stimmt zwar, aber das Problem ist, dass es nur den Leuten hilft, die gerade schon zur kritischen Masse gehören und die anderen sich einfach überhaupt nichts darunter vorstellen können. Und noch dazu der völlig berechtigte Einwand: „Ja wie? Wenn ich das mache, mach ich doch einfach das, was ich auch bisher immer gemacht habe und das hat auch nicht funktioniert. Ich rede dann zwar total entspannt und lustig mit irgendwelchen Leuten, aber es PASSIERT einfach nichts, das Ergebnis ist scheiße wenn man es realistisch betrachtet. Und mal ganz ehrlich, die ganzen „Natural Gamer“ sind doch im Grunde nur feige Hurensöhne die keine Lust auf harte Arbeit haben.“

Exakt. Nur das wir keine feigen Hurensöhne sind, sondern faule Hurensöhne, die keine Lust auf harte Arbeit haben und das ist völlig in Ordnung und ziemlich cool.Es traut sich nur keiner von uns faulen Hurensöhnen das mal zuzugeben, denn dann wäre auf einmal der ganze Mystizismus und die Aura, dass einem alles auf einmal ganz einfach
zufliegen würde, die zum „Natural Game“ nun mal dazu gehört auf einmal weg.

Es gehört zu diesem ganzem „Natural Game“ Mythos jedem und insbesondere sich selbst zu vermitteln, das wäre alles absolut easy. Aber im Grunde wissen wir, dass das Quatsch ist, wir machen uns nur nie die Mühe, das was wir da eigentlich tun mal klar und deutlich auszuformulieren. Stattdessen ergießen wir uns in Sprüche wie „Tu es einfach.“, oder „Ich bin halt nicht Outcome abhängig.“, oder dergleichen. Bullshit, natürlich sind wir Outcome abhängig, aber der Outcome stimmt halt einfach wenn man es easy genug macht. Was genau unterscheidet aber jetzt das „Natural Game“ vom ganz normalem standardisiert schöngeredetem permanenten Versagen?

1. Absolute Unneedyness

Der erste Punkt ist wichtig. Für Natural Game darf man nicht notgeil sein, sonst funktioniert es einfach nicht so easy wie man es gern hätte. Das ist auch der Grund warum der „Erfolg“ von Natural Game teilweise so schwer evaluierbar ist und oft vorgeworfen wird, es handle sich dabei eigentlich nur um simple DHV Akkumulation. Das stimmt insofern, dass wirkliche echte nicht gespielte Unneedyness leider nur erreichbar ist, wenn man sexuell ausgelastet ist. Und das ist natürlich ein massiver DHV.

Aber es geht hier wirklich nicht darum, es aller Welt zu zeigen, wie geil man ist. Es reicht auch völlig, wenn man zwei bis beliebig viele Backup Sexfreundschaften hat, mit denen man jederzeit Sex haben kann, wenn einem der Sack zu platzen droht. Du kannst dieses Mindset in etwa mit der Frage: „Wenn ich jetzt noch vier andere Frauen hätte, mit denen ich jederzeit Sex haben könnte, wie würde ich mich dann verhalten?“ fassen. Wichtig ist nur, dass es einem tief drinnen im Grunde scheißegal ist, ob die Frau jetzt mit einem vögelt oder nicht. Und zwar wirklich. Aber eben nicht zu egal. Aber dazu später mehr.

2. Respektierung der Person

Dieser Punkt ist so was wie ein Add-on zu Punkt eins. Um nicht needy zu sein reicht es oft nicht aus einfach nur genügend Alternativen zu haben. Manchmal ficken die eigenen Hormone einem den Kopf und man kommt aus dem „an Sex denken“ einfach nicht mehr raus. Deswegen ist es, wenn man effektives Natural Game betreiben möchte, wichtig, den Menschen den ich vor mir habe tatsächlich auch als Mensch interessant zu finden. Wenn ich den Menschen mit dem ich da gerade eine sexuelle Interaktion plane, (wobei wir das ohnehin nicht so ganz direkt tun, siehe Punkt 3 und 4) eigentlich nur für diesen Zweck brauche und sonst gar nicht, merkt die andere Person das natürlich irgendwo. Und dann wirkt selbst die größte Non-Needyness einfach nur wie eine Masche. Einfach deshalb, weil du, obwohl Sex der einzige Grund ist, warum du dich mit dieser Person beschäftigst, eben nicht dazu stehst und so tust als ginge es um etwas anderes. Das ist inkongruent und kann nicht funktionieren, wenn ich nur Sex will ist ein direkteres in dem Sinne „nicht Natural Game“ angebrachter.

Die Lösung dazu ist nicht zu sagen ich will keinen Sex oder das Natural Game als solches als uneffektiv aufzugeben. Die Lösung ist vielmehr zu sagen, ich beschäftige mich mit einer Frau nur dann, wenn ich sie auch wirklich kennen lernen will. Weil sie mich interessiert. Und hey, um jemand vom anderem Geschlecht wirklich kennen zu lernen, was eignet sich da besser als Sex? Es gehört einfach ganz natürlich zum Kennenlern-Prozess dazu, genau wie der ganze Flirt. Das interessante ist, dass du durch diese Methode gleichzeitig ein starkes Screening betreibst und dich nur mit Leuten einlässt, die dir auf irgendeine Weise gut tun. Deswegen kennt das Natural Game auch keine „Anti-slut-defense“ und keine „Last-Minute-Resistance“ Lösungsstrategien. So was braucht es einfach nicht, es ist in den natürlichen Verlauf integriert.

Sie ist keine Schlampe die mit jedem was macht? Natürlich nicht! Wie kommst du überhaupt darauf? Ich will dich doch erst mal kennen lernen, bevor ich was mit dir mache. Sie weiß auf einmal doch nicht, ob das so eine gute Idee ist? Das verstehst du, Vertrauen ist ein wichtiger Punkt. Lass uns weiter darüber reden, während wir nackt im Bett liegen, während wir so tun, als ob wir davon nicht weiter geil werden würden und uns in 20 Minuten dann doch die Seele aus dem Leib vögeln. Und dann ist es auf einmal kein ONS mehr sondern eine neue FB.

Du merkst, das was du vorher als irgendwelche Routinen verpacken musstest, geht jetzt auf einmal aus deinem Mindset ganz automatisch hervor. Das bedeutet keinesfalls, dass man sich nicht sobald man miteinander im Bett war regelmäßig zum vögeln treffen kann und sonst nicht viel miteinander zu tun hat. Schließlich war das im Grunde auch irgendwo DEIN Plan. Aber das ist absolut kein Widerspruch, wenn du dir überlegst was du im ersten Jahr mit deinen Freundinnen hauptsächlich gemacht hast, um sie besser „Kennen zu lernen“. Auch das ist menschlich und gehört zum natürlichen Verlauf einer Beziehung dazu, insbesondere wenn die absolute Mehrheit der Menschen in Deutschland im sexuellen Bereich mehr ausgehungert ist als irgendwo sonst.

3. Unbewusste Beachtung der korrekten Logistik, mit dem Wissen, worauf das ganze vermutlich hinausläuft

Im Natural Game ist Logistik im Grunde genommen alles. Stimmt die Logistik , dann kommt es zum Sex. So einfach ist das. Aber die Logistik stimmt selten von alleine. Und deswegen helfen „Natural Gamer“ für gewöhnlich bei der Logistik etwas nach, auch wenn sie es oft nicht wirklich absichtlich machen, insbesondere dann nicht wenn sie gut sind, sondern eher aus Gewohnheit. Was heißt das in der Praxis? Das heißt, dass ich einfach mehr oder weniger nebenbei darauf achte, dass alles in Richtung Sex laufen kann, wenn es denn gewollt ist.

Ich habe grundsätzlich immer Kondome dabei.Ich setzte mich mit ihr nicht in die Küche sondern eher in mein Zimmer. Ich setzte mich mit ihr auf die Couch statt sie auf dem Stuhl sitzen zu lassen. Ich habe überhaupt einen Raum, in dem ich ohne große Umstände mit ihr gehen kann, ohne irgendwem was erklären zu müssen. Ich hole mir ihre Nummer, um sie anrufen zu können. Wir treffen uns von vorneherein bei mir oder bei ihr und nicht in irgendeinem Cafe am Arsch der Welt. Wenn wir uns in einem Cafe treffen, setzte ich mich neben sie, so dass ich sie küssen kann und mich nicht erst über den Tisch beugen muss.

Das klingt jetzt schon fast alles nach Routine, aber es ist eben keine. Für all diese Dinge gibt es verdammt gute Gründe: Manchmal hat man an ungewöhnlichen Orten Sex und dann erst ins Zimmer gehen ist umständlich, Gummis dabei haben lohnt sich also in jedem Fall. In der Küche ist es ungemütlich. Der Stuhl steht halt am Schreibtisch. Ich brauche als unabhängiger Mensch meinen Freiraum. Ich bin lieber privat als in anonymen Gebiet. Ich finde es unangenehm jemandem gegenüber zu sitzen, wenn ich mich nicht mit ihm streiten will.

Aber natürlich weiß der Natural Gamer irgendwo tief drin, dass das alles nur halbe Gründe sind. Mit seiner Oma würde er all diese Sachen eher weniger beachten. Und das ist alles. Ich beachte die Logistik. Weil ich obwohl ich keinerlei Erwartungen habe, eigentlich eh schon weiß, dass das ganze vermutlich mit ein Paar verschwitzen Körpern und einem benutzen Kondom endet. Aber ich mache das nicht, um irgend ein Ziel zu erreichen.

4. Schizophrene sich widersprechende Stimme im Hintergrund

Jetzt kommen wir zum letzten und vielleicht zum wichtigsten Punkt des Natural Game. Dieser Punkt ist insbesondere wichtig, um die Widersprüche zu verstehen, die du als eher Technik und Routine angehauchter PUA vielleicht zu merken meint und diese Widersprüche aufzuheben.

An vielen Stellen habe ich davon geredet, dass wir Dinge nicht tun um eine Ziel zu erreichen, namentlich Sex, sondern um etwas ganz anderes zu tun und dabei ganz nebenbei das ursprüngliche „Ziel“ erreichen. Oder das es irgendwo unbewusst oder ganz tief drin ist. Der kritische Leser wird an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich doch nichts desto Trotz um ein Ziel handelt und das ein jeder der komplett vergisst, dass er ja eigentlich auch Sex wollte, meistens einfach auch nirgendwo landen wird, weil eben z. B. die Logistik nicht stimmt oder es tatsächlich egal ist ob man sich noch 3 Stunden weiter über Politik unterhält oder jetzt langsam mal Richtung Sex geht. Und der kritische Leser hat natürlich Recht. Verliere ich mein „Ziel“ komplett aus den Augen passiert kein Natural Game, sondern es passiert einfach das Standard AFC Trauerspiel inklusive Friendzone und lange, lange Phasen von ungevögelt sein – die einen in letzter Konsequenz dann doch wieder zu einem routinierterem Ansatz bringen.

Der Trick ist einfach das alles nicht ganz so eng zu sehen mit den Zielen. Während der Hauptteil meines Bewusstseins also damit beschäftigt ist, diese Frau als Person kennen lernen zu wollen und sich einen Dreck darum schert, wie der Abend ausgeht, gibt es einen kleinen Coach im Hinterkopf, der von der Seitenlinie Spielzüge brüllt. Während ich mich also damit beschäftige was ich tue, höre ich ganz nebenbei einfach auf das, was der Coach sagt, denn er hat den besseren Überblick. Diesen kleinen Coach oder Ratgeber so auszubilden, dass er einerseits nicht stört, andererseits nichts Wichtiges übersieht, ist so mit einer der schwierigsten Details am „Natural Game“ lernen überhaupt, denn um die richtigen Spielzüge instinktiv zu erkennen, braucht man vor allem Erfahrung und ein gewisses hemmungsfreies Denken.

Ersteres kannst du eigentlich nicht anders bekommen als eben durch reale Erfahrungen. Letzteres kannst du zum Beispiel künstlich herstellen, wenn du dich etwas beschwipst. Du nimmst dann Impulse, die du hast, auf einmal stärker wahr und bist auch mehr gewillt ihnen nachzugehen. Durch den Alkohol schaltest du den gesellschaftlich antrainierten Widerstand gegen deinen inneren Coach aus und hörst einfach darauf was er sagt. Das kannst du aber auch ohne Alkohol trainieren, in dem du einfach versuchst deine Impulse bewusster wahrzunehmen und ihnen öfter nachzugehen. Das muss noch nicht mal was mit Sex zu tun haben, sondern funktioniert egal wo du damit anfängst.

Warum brauche ich diese Abspaltung dann überhaupt? Warum werde ich nicht selbst zum Coach? Weil der Coach zwar ein brillanter Stratege, aber ein ziemlicher Haudrauf ist. Er erkennt die richtigen Spielzüge, aber er versteht wenig von komplexeren Ideen und vor allem hat er überhaupt kein Verständnis für soziale Normen. Wenn du die Anti-Impuls-Kontroll Übung machst, wirst du feststellen, dass dein Coach dir teilweise zu Sachen rät, die dich rein rechtlich in Schwierigkeiten bringen können. Das ist völlig normal und absolut menschlich. Aber während er oft Recht hat und wir auf soziale Normen viel zu viel Rücksicht nehmen, gibt es manchmal Situationen, wo ich eben um die Zuschauer nicht zu verärgern das Foul doch sein lasse. Auch wenn der Schiri es nicht sieht und es keinen negativen Einfluss auf den Spielverlauf hätte. Denn die Zuschauer können auch schon mal ausrasten und damit wiederum versaut man sich in vielen Fällen die Logistik.

Konkret: Wenn mir mein innerer Coach sagt zieh deine Hose runter und ich mitten im Club bin, ist das zwar ziemlich lustig und hätte auch nicht mal schlechten Einfluss auf den Flirt den ich gerade am laufen habe – aber in den nächsten fünf Minuten werde ich mit Sicherheit von den Türstehern rausgeschmissen und wo ich nicht mehr bin, kann ich auch kein Game mehr fahren. Ich persönlich sehe meinen inneren Coach z. B. deswegen nicht mehr als Coach wie am Anfang, sondern eher als meinen etwas zynischen kleinwüchsigen Freund, der kein Blatt vor den Mund nimmt und die Sachen genau so sagt wie sie sind, egal in welchen philosophischen Sphären ich gerade schwebe – der aber gleichzeitig immer nur mein bestes will. Und ich stelle mir meistens vor, dass er nur irgendwo ganz weit am Horizont steht, wo ich ihn gerade noch so wahrnehmen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen, was er mir gerade sagt.

Das sieht dann z. B. so aus, dass ich irgendwo sitze, mit einer Frau rede und mir dieser Typ zuruft: „Alter du laberst schon seit Stunden über irgendwelchen Mist und sie hat dir gerade zum fünften Mal >diesen Blick< gegeben! Jetzt küss sie endlich!“ Aber er ist soweit weg, dass das einzige was davon irgendwie tatsächlich mitbekomme ist: „Küss sie.“ Mehr nicht. Den Rest kann ich mir in den Kopf rufen, wenn ich später darüber nachdenken mag oder irgendwas nicht so gelaufen ist wie ich das dachte, aber die Stimme wird quasi vom Wind verweht. Es ist mehr wie ein Gefühl, eine Idee, als ein klar ausformulierter Gedanke. Das klingt schwieriger als es ist, weil du das eben gerade in ausformulierten Worten liest. Aber wenn du mal drüber nachdenkst, wirst du feststellen dass du eigentlich die meiste Zeit eher in Bildern und in emotional gefärbten Stichpunkten und Gedankenkonstrukten denkst, als in wirklich klaren konkreten ausformulierbaren Sätzen. Versuch also einfach die Gedanken deines Hintermanns nicht auszuformulieren, sondern sie in dem Rohformat zu lassen in dem sie kommen.

Fazit

Und diese vier Punkte sind das, was einen jeden, der von sich behauptet er mache „Natural Game“, ausmacht. Es sind im Grunde genommen alles lernbare Punkte und es funktioniert, wenn man es einmal drauf hat, deutlich entspannter und automatischer als gelernte Routinen und man muss sich mit vielen lästigen Konzepten nicht mehr groß rumschlagen – dafür braucht man, allerdings auch ein wenig reale Lebenserfahrung und eine tatsächlich ruhige gelassene Persönlichkeit und Einstellung zum Thema Sex. Leider etwas, dass meist etwas länger dauert, bis man es gelernt hat. Aber gerade die Techniker, die eigentlich schon so weit sind, aber für die „Kein Game fahren“ bisher gleichbedeutend war mit „nicht vögeln“ ist dies hier vielleicht ein Ansatz, um das Ganze auf die nächste Ebene zu heben. Die Ebene in der das ganze tatsächlich zur Nebensache wird, die einfach dazu gehört und nicht mehr das ständige Jagen nach einem nie erreichten Ideal.

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