Online Dating – Ist Liebe Mathematik?

MathematikLaut einem Bericht des Spiegels nimmt inzwischen jede dritte Beziehung ihren Anfang im Internet. Online Partnervermittlungen schießen wie Pilze aus dem Boden und feiern jährlich Umsätze im Bereich von 200 Millionen Euro. Alles eine logische Folge der digitalisierten Gesellschaft oder steckt nicht doch mehr dahinter?

Von 16 Millionen in Deutschland lebenden Singles suchen laut des Artikels sieben Millionen einen Partner im Netz. Wenn sie dies über Anbieter wie beispielsweise Parship tun, werden sie dabei mit höchst wissenschaftlichen Mitteln zu ihrem vermeintlichen Traumpartner gelotst. So muss jedes Neumitglied erst mal einen ausführlichen Fragebogen beantworten.

Dieser besteht aus 74 Fragen, auf die es über 400 verschiedene Antwortmöglichkeiten gibt. Gefragt wird zum Beispiel, ob man ein Instrument spielt oder ob man gerne längere Spaziergänge macht. Nach der Auswertung des Fragebogens wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt und schon bekommt der Nutzer die ersten Partnervorschläge. Das sind dann Menschen, mit denen er laut der wissenschaftlichen Analyse seiner Antworten mittels mathematischer Formeln, die höchste Übereinstimmung hat.

Wie erfolgversprechend ist diese Methode?

Berichte über Paare, die sich dadurch gefunden haben und bereits seit Jahren glücklich zusammen sind, gibt es viele. Leider gibt es keine Zahlen oder Studien darüber, wie viele der neuen Paare sich letztlich wieder trennen und wenn ja, nach welchem Zeitraum.

Ich möchte aber gar nicht anzweifeln, dass sich eine Menge Paare über diese Seiten finden, die dann auch dauerhaft zusammenbleiben, meine Gedanken kreisen eher darum, warum es solche Seiten geben muss.

Die Generation unserer Eltern und erst recht die unserer Großeltern ist ja auch ohne solche Erfolgsmittel klar gekommen. Spricht es nicht vielleicht auch für die Verkümmerung der sozialen Fähigkeiten bei vielen Menschen? Und wenn ja, was ist für diese Entwicklung verantwortlich? Oder ist das alles völlig unbedenklich und ein genau so harmloses Hilfsmittel wie früher eine Kontaktanzeige in einer Zeitung?

Das sind sehr interessante Fragen, auf die es letztlich kein klares “Ja” und auch kein klares “Nein” als Antwort geben kann.

Eine Grundannahme, die dieser mathematischen Berechnung zugrunde liegt, kann ich auf jeden Fall zustimmen: Gleich und gleich gesellt sich gerne. Und nicht, Gegensätze ziehen sich an, wie manche Menschen glauben.

Es ist völlig klar, dass ich als sportlicher Mensch auf Dauer wenig mit jemanden anfangen kann, der seine Abende am liebsten auf der Couch verbringt. Und wenn man sich am Anfang noch so gut versteht, irgendwann wird das zum Problem.

Vor allem wird dieser Punkt wichtig, wenn es um die Lebensziele geht. Stimmen die nicht überein, nimmt eine Beziehung kein gutes Ende. Einfaches Beispiel: Sie träumt seit sie ein kleines Mädchen ist von ihrer Traumhochzeit, er hält die Ehe für eine überholte Institution der Kirche und möchte niemals den “heiligen Bund” eingehen. Oder: Er möchte unbedingt Kinder haben, sie kann sich das aber überhaupt nicht vorstellen und will lieber Karriere in ihrer Firma machen (was leider oft schwer zu vereinbaren ist).

Man muss sich gegenseitig abstimmen können

In beiden Fällen kann es sich über Jahre hinweg um eine harmonische und glückliche Beziehung handeln, doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem dieser Interessenunterschied zum gewaltigen Problem wird. Und dann muss entweder einer der beiden seinen Standpunkt aufgeben oder es kommt zur Trennung. So bitter es ist.

Nur: Die individuellen Lebenspläne werden durch Fragen wie “Schlafen Sie lieber bei geöffnetem oder geschlossenem Fenster?”, oder “Was ist für Sie die ideale Raumtemperatur?”, nicht abgedeckt. Die müssen dann nach wie vor von Angesicht zu Angesicht besprochen werden. Ganz ohne Computer. Vielleicht besser bei einem guten Glas Wein.

Meine Prognose: Der Boom der Online Datings ist noch lange nicht vorüber. Bald wird es vielleicht so sein, dass sich schon jedes zweite Pärchen online gefunden hat. Man muss das nicht gut finden, aber man sollte die Möglichkeiten, die einem das Netz bietet, nicht außer Acht lassen. Vor allem, wenn man ständig an die Falschen zu geraten scheint, kann man mittels der Suchfilter und der psychologischen Tests schon mal eine schöne Vorauswahl treffen. Aber: Den Kennenlernprozess werden uns die Maschinen niemals völlig abnehmen können. Zum Glück!

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