„Führen“ für Anfänger – So wirst du zum Anführer

FührenDas Folgende spiegelt meine subjektive Wahrnehmung, Interpretation und Wertung ohne Anspruch auf unumstößliche Allgemeingültigkeit. Ständig ist hier die Frage präsent, wie man(n) führt, ob man(n) führt, wohin man(n) führt und meist kommt im selben Satz die Angst vor dem Frameverlust gleich mit ins Thema. Ich will einmal das Thema Führung aus weiblicher Sicht so verständlich wie möglich aufzeigen. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen zu verstehen, wie man nicht führt, denn das ist, glaube ich, der Schlüssel zum Erfolg in dieser Hinsicht.

Schritt 1: Frame – der Rahmen

Es existieren gefühlte tausend Definitionen von Frame. Meine Definition von Frame ist simpel: Standing. In meinen Augen basiert „Führung“ auf dem Frame, daher muss ich zuerst etwas zum Frame sagen, wenn ich über Führung sprechen will.

Der Frame basiert für mich auf dem Setting, dem inneren Grundgesetz. Unumstößlich, nicht verhandelbar. Es sind die Werte und Weltansichten eines Menschen, seine Überzeugungen und sein Empfinden von Richtig und Falsch. Es sind diejenigen Grundstrukturen, auf denen jedes Handeln und Nichthandeln dieses Menschen aufbaut. Er kann im Grunde nichts tun, das sich mit diesem inneren Grundgesetz nicht vereinbaren lässt.

Man könnte jetzt sagen, das ist der innere Frame, ich nenne es hier Setting, damit es sauber zu unterscheiden ist, denn viele Menschen mit Überzeugungen und Werten lassen nach Außen nicht viel davon bemerken. Damit wären wir beim äußeren, beim eigentlichen Frame: Diese Überzeugungen und Werte auch nach außen hin zu vertreten, zu ihnen zu stehen und nicht gegen sie zu handeln, das ist Standing.

Ein simples Beispiel: Wenn du der Überzeugung bist, Gewalt gegenüber Frauen sei indiskutabel, du wirst Zeuge wie ein Mann auf offener Straße gewalttätig gegen eine Frau wird und schreitest ein, dann ist das Frame.

Ein weniger krasses Beispiel: Wenn du der Überzeugung bist, dass es unhöflich ist, jemandem einfach den Drink aus der Hand zu nehmen und einen Schluck zu nehmen, auch wenn man eine hübsche Frau ist und dir passiert genau das in einem Club: Frau kommt an, schnappt sich wortlos deinen Drink und nimmt einen Schluck und du machst daraufhin deutlich, dass du das unangebracht und dreist findest, ist das Frame.

Somit ist der Frame im Grunde die Gesetzmäßigkeit, auf der die Führung basiert. Man erahnt es schon, sie schimmert ja schon durch. Ich habe das mal kursiv und fett markiert. Sofort fällt auf: Aktiv den eigenen Frame halten und vertreten führt praktisch automatisch zu einem Verhalten, das man als führend und/oder durchsetzungsstark bezeichnen könnte.

Schritt 2: Führung – Die Umsetzung

Basierend auf dem Frame kommt jetzt also die Umsetzung. Hier wird der Frame sichtbar, wahrnehmbar, bemerkbar für deine Umwelt. Wer an dieser Stelle zweifelt, rufe sich typische Führungspersönlichkeiten ins Gedächtnis, die nicht durch bürokratische Hierarchien führen. Also keine Konzernchefs, denen Folge geleistet werden muss, sondern politische Aktivisten, diejenigen, die in Gruppen scheinbar automatisch immer in die Alphaposition geraten und dergleichen. Man wird feststellen, dass all diese Menschen einfach nicht von ihrem Frame, ihren Überzeugungen und der Umsetzung dieser Überzeugungen abweichen. Sie bringen sie zum Ausdruck, stehen zu ihnen.

Entscheidungen treffen

Das alles ist nicht möglich, ohne das Treffen von Entscheidungen. Das können die Entscheidungen für oder gegen bestimmte Werte sein (was halte ich von Thema X? Wie stehe ich zu Thema Y?), die Entscheidung wie ich einen solchen Wert nach außen hin vertrete (Wie stehe ich zu Andersdenkenden? Inwiefern kann ich andere Ansichten zu diesem Thema nachvollziehen? Welche kann ich weder nachvollziehen noch akzeptieren?) oder auch die direkte Entscheidung zu handeln (siehe einschreiten, mitteilen aus den obigen Beispielen zum Frame).

Ein Mann mit Frame unterscheidet sich von einem Mann ohne Frame dadurch, dass der Mann mit Frame für sich selbst Entscheidungen getroffen hat, zu denen er nach außen hin steht. Es gibt dieses geflügelte Wort: Was du meinst, zählt nicht. Wie du handelst zählt. Womöglich hat der Mann ohne Frame Überzeugungen und Werte und steht nur nicht zu ihnen. Zumindest nicht offen.

Verantwortung übernehmen

Die logische Folge getroffener Entscheidungen ist, die Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen. Hier kommt auch das Stichwort Souveränität ins Spiel. Das beste Beispiel das mir dazu einfällt bringt mich auf einen Film. Braveheart, die letzten Szenen. Ist das Frame? Warum ist das Frame? Führt er irgendjemanden? Wenn ja, wie? Und warum? Was macht diese „Führung“ aus, immerhin kann er nichts tun, er ist da festgeschnallt und wird zu Tode gefoltert. Was macht den Frame dieses Mannes in diesem Moment aus? Ist er in diesem Moment „Alpha“?

Wenn ich gewisse Überzeugungen habe und dazu stehe, werde ich früher oder später Menschen begegnen, die anderer Ansicht sind. Die werden mich nicht mögen. Auch das ist Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen. Zugunsten der Überzeugung die Ablehnung anderer Menschen hinnehmen zu können.

Gelassenheit entwickeln – Die Kunst des Reframens

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Gelassenheit. Wer fest zu seinen Überzeugungen steht, der muss keinen Frameverlust fürchten, weil ihm niemand diesen Frame nehmen kann. Der kann seinen Frame auch nicht verlieren. Man kann ihn kurz aus dem Konzept bringen, ja. Das ist aber kein Weltuntergang. Im Gegenteil. Die Stabilität eines Frames zeigt sich grade dann, wenn der Inhaber mit Wucht aus demselben rausgeflogen ist.

Stellen wir uns einen Reiter vor, der vom Pferd fällt. Verschwindet das Pferd automatisch, sobald der Reiter den Boden berührt? Nein. Stellen wir uns einen Sänger vor, der den Ton nicht trifft. Verschwindet automatisch seine Stimme? Nein. Stellen wir uns einen Mann vor, der grade keinen Sex hat. Fällt sein Schwanz ab? Nein.

Wer wirklich Frame hat, der kann ihn nicht ohne Weiteres verlieren. Der Frame ist da. Genutzt oder nicht, er verschwindet nicht. Ein Frame der verschwindet, war nie wirklich existent. Denn wenn ich wirklich einen Frame habe, muss ich nicht hektisch überlegen, wie der jetzt noch gleich war, wenn mich etwas aus der Fassung bringt.

Ich habe einen guten, sehr lieben Freund, den ich gerne als Beispiel dafür anführe, wie Frame und „Führung“ wirklich funktioniert. Er hat den Spleen, Frauen regelrecht anzubeten. Aber er schafft es, das auf eine Weise zu tun, die in sich derart kippt, dass man sich als Frau plötzlich einer ganz eigenen Form von Alphaness gegenübersieht. Das Podest, auf das er Frauen stellt, ist gefühlt hüfthoch und er hat es immer mit dabei. Als Frau findet man sich dann plötzlich dort oben wieder, schaut runter, sieht ihn, wie er da zufrieden mit sich steht und sich das Ganze betrachtet und denkt sich: Moment mal…

Schritt 3: Führen, nicht zum Folgen zwingen

Ich höre schon den ein oder anderen schreien „Ja aber dann machen die doch alle, was sie wollen! Wo ist da die Führung! Wenn ich führe, sollen doch alle machen, was ich will!“ Nein, eben nicht. Das ist mit das größte Missverständnis, wenn es um Führung geht. Wer nicht durch Bürokratie führt, also dadurch, dass ein andrer alle Beteiligten dazu zwingt, diese Hierarchie einzuhalten, sondern durch Frame und Integrität (< – wichtiges Stichwort), dem folgen Menschen von selbst. Er muss sie nicht fremdbestimmen, manipulieren oder seine Autorität (<- böses Juju) beweisen. Er führt, weil er ist, wie er ist und tut, was er für richtig hält mit allen Konsequenzen. Sein Handeln wirkt sich nicht unbedingt direkt auf andere aus und drängt sie nicht dazu, zu folgen. Sie tun das von ganz alleine.

Oft lese ich Beiträge, die nur so strotzen vor Aktionen, die zu Alphaness führen sollen. Er plant alle Events, er entscheidet alle Investitionen, er führt in allen Gesprächen und beim Sex liegt er natürlich oben. Diese Idee, Führung sei irgendetwas das man mit anderen Menschen macht, aktiv, eingreifend in ihr Handeln und/oder ihre Entscheidungen sitzt ganz tief. Und wenn sich eine Frau dann gegen eben das wehrt, endet das in Threads mit Namen: „Sie betaisiert mich“ und „Akzeptiert mich nicht als Alpha“

Schritt 4: Männliche Dominanz / Sexualaggression

Womit wir beim letzten großen Missverständnis wären. Dem Unterschied zwischen Frame, Durchsetzungskraft, Führungsstärke und der männlichen Sexualaggression. Dass bei Männern Aggression und Sexualität etwas miteinander zu tun haben, müssen wir ja hoffentlich nicht ausdiskutieren. Das ist auch gut so. Sie ist nicht allgegenwärtig, das muss sie dank Frame auch nicht sein und auch das ist gut so.

Immer mal wieder tauchen Postings auf, die im Kern aussagen: „Ich habe keine Lust mich dauernd zu verstellen, um Alpha zu sein!“ oder auch „Das ist mir zu anstrengend“. Im ähnlichen Kontext sehe ich Gespräche, die ich mit meinen Kumpels schon hatte, in denen es darum ging, dass Männer Gefühle haben, verletzlich sind, auch mal schwache Momente
haben und die auch haben dürfen wollen.

Natürlich dürfen Männer das. Ohne Attractionverlust, ohne Wussy oder Beta zu werden. Ein Frame, der existiert, kann nicht einfach verschwinden, unabhängig davon, ob der Besitzer grade in einer wilden Kneipenschlägerei seinen Hormonen freien Lauf lässt, am Mittagstisch sitzt und einfach gar nichts erwähnenswertes tut oder im Kino bei Rendevouz mit Joe Black heult wie ein Schloßhund.

Vor Jahren hatte ich mal eine interessante Unterhaltung mit einer Freundin über „echte Kerle“. Das simple Fazit war: „Ein echter Kerl kann dich von unten vögeln“. Du darfst das jetzt gerne mal ausprobieren. Physisch geht das nicht, wenn er nicht extrem gut trainiert ist, sie nichts wiegt und beide nicht lange brauchen 😉 Und das ist der Punkt. Es geht nicht drum, wer sich bewegt, wer den wie festhält etc. sondern darum, wer wem die Führung überlässt.

Und das fasst es, finde ich ziemlich treffend. Alpha ist nicht gewisse Dinge tun, weil sie alpha sind. Und Führung ist nicht, Menschen in irgendeiner Form zu drängen, zwingen, von ihnen zu verlangen oder sie sonstwie gegen ihren Willen zu beeinflussen. Souverän sein, in sich selbst entschlossen und klar darüber, wer man ist und was man will, auch, was man nicht will. Die Gelassenheit gewinnen, mit Widrigkeiten, Ausnahmezuständen und ungeplanten Framebeschüssen entspannt umgehen zu können im Wissen, dass der Frame unantastbar ist von außen. Gelassenheit ist sexy. Frame ist sexy. Und ein entspannter Mann, der weiß, was er will, erst recht.

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